In den Wäldern der Mecklenburgischen Seenplatte haben die Wolfssichtungen in den vergangenen Jahren zugenommen, so auch an der Landesgrenze zu Brandenburg. Jäger Gerd Riechers aus Godendorf kann eine Vielzahl eigener Erlebnisse berichten. Seit neun Jahren wohnt er mit seiner Frau und seinem Schweißhund in dem kleinen Dorf unweit der B96 zwischen Neustrelitz und Fürstenberg. Seit 1981 im Besitz seines Jagdscheins, ist der gebürtige Hannoveraner dem Wolf bereits mehrfach begegnet – oder umgekehrt.
Erste Wolfsbegegnung im Frühjahr 2018
Die erste Begegnung ereignete sich nach Riechers’ Angaben im Frühjahr 2018. Der Wolf sei am Sägewerk in Düsterförde, einem Nachbarort von Godendorf, umhergestreift. Damals hätten Wölfe Damwild auf dem ungenutzten Campingplatz am Wangnitzsee gerissen und seien dabei von einer Wildkamera festgehalten worden, erinnert sich der Jäger.
Sichtungen im Jahr 2025 und 2026
Im Frühjahr 2025 sichtete Riechers zwei halbwüchsige Wölfe zwischen der B96 und dem Kleinen Godendorfer See. „Im Winter zuvor haben wir im Schnee zwei Wölfe mit mindestens zwei Jungtieren gesehen“, berichtet er. Auch in diesem Jahr gab es etliche Sichtungen: Im März 2026 liefen zwei Wölfe gegen 22 Uhr auf dem Weg zwischen Schneidemühle und Godendorf, weniger als 50 Meter vom Reiterhof entfernt. Einen ausgewachsenen Wolf beobachtete er am 18. April 2026 in den Dabelower Douglasien. Zudem kreuzten zwei Wölfe sein Fahrzeug zwischen Godendorf und Dabelow, und später tauchten zwei Wölfe am Godendorfer Friedhof auf.
Rudel am Röthsee gesichtet
Auch Nachbarn berichten von Sichtungen am Röthsee, zwischen dem Godendorfer Friedhof und dem Schliesee. Hier soll ein Rudel aus zwei erwachsenen Wölfen mit zwei Jungtieren unterwegs gewesen sein, ebenso am Ortsausgang Teerofen in Richtung B96.
Hundehalter zur Vorsicht gemahnt
Der Jäger mahnt, Hunde besser an die Leine zu nehmen, da man nie wisse, wo und wann man dem Wolf begegnet. Der Naturschutzbund (Nabu) gibt auf seiner Webseite eine Einschätzung, wie der Wolf den Hund bei einer Begegnung einordnet, sowie Tipps für das richtige Verhalten. Wölfe verteidigen ihr Territorium gegen fremde Wölfe. Da Hunde domestizierte Artgenossen sind, kann ein Hund als Eindringling wahrgenommen werden, besonders wenn er abseits seines Halters unterwegs ist. Jagen Hunde Wölfe oder greifen sie an, können sich diese verteidigen. Daher sollten Hunde im Wolfsgebiet nah am Halter oder an der Leine geführt werden, damit Wölfe sie dem Menschen zuordnen.
Leinenpflicht und aktuelle Vorfälle
Laut Landeswaldgesetz MV müssen Hunde im Wald ganzjährig an der Leine geführt werden. Während der Brut- und Setz-Zeit vom 1. April bis 15. Juli gilt eine generelle Leinenpflicht in Feld und Wald. Erst kürzlich wurde in Adamsdorf ein einen Tag altes Fohlen der bedrohten Pferderasse Schleswiger Kaltblut von einem Wolf oder Wolfsrudel gerissen.



