Todesbar-Prozess: Zeuge belastet Betreiber Moretti mit Ablehnung von Brandsicherheit
Zeuge belastet Todesbar-Betreiber Moretti schwer

Neue Zeugenaussage belastet Betreiber der Todesbar schwer

Im laufenden Gerichtsverfahren um die verheerende Brandkatastrophe in der Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana mit 41 Toten und über 100 Verletzten treten neue belastende Details zutage. Der italienische Lieferant Robert Borbiro, der das Betreiber-Ehepaar Jacques und Jessica Moretti 2016 mit Materialien für die Inneneinrichtung belieferte, hat sich als entscheidender Zeuge gemeldet und schwerwiegende Vorwürfe erhoben.

Feuerfester Schaumstoff aus Kostengründen abgelehnt

Laut Medienberichten, darunter der italienischen Zeitung „Il Messaggero“, soll Jacques Moretti bei der Auftragsbestätigung zur Eröffnung des Lokals den Einbau von feuerfestem Schaumstoff und brandfesten Akustikplatten explizit aus Budgetgründen abgelehnt haben. Borbiro zitiert in seiner Aussage aus einer E-Mail, in der er diese sicherheitstechnisch entscheidende Option vorgeschlagen hatte. Stattdessen habe Moretti eigenständig Material beschafft, das später in der Silvesternacht durch Feuerfontänen auf Champagnerflaschen entzündet wurde und das Inferno auslöste.

Weitere Sicherheitsmängel und Ermittlungen gegen Gemeinde

Der Zeuge listet in seiner Aussage weitere gravierende Sicherheitsbedenken auf. Er kritisiert das mangelhafte Belüftungssystem der Bar, den unzureichend dimensionierten Fluchtweg sowie die gefährliche Treppe zum Untergeschoss, wo besonders viele Opfer zu beklagen waren. „Ich verstehe nicht, wie die Einrichtung eine Betriebsgenehmigung erhalten konnte“, äußerte Borbiro unverständlich. Die Ermittlungen konzentrieren sich daher nicht nur auf die Betreiber, sondern auch auf die zuständige Gemeinde, die die Genehmigung erteilte.

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Pfusch an der Decke und widersprüchliche Schuldzuweisungen

Bereits vor der Katastrophe gab es Hinweise auf handwerkliche Mängel. Ein Gast filmte Mitte Dezember 2025, wie Mitarbeiter mithilfe von Billardqueues lose Schaumstoffplatten wieder an die Decke klebten – angeblich auf Anweisung von Barchef Moretti. In der jüngsten Anhörung versuchten die Morettis, die Schuld auf ihre Mitarbeiter abzuwälzen. Sie beschuldigten insbesondere die Kellnerin Cyane Panine, die in der Silvesternacht mit brennenden Wunderkerzen auf Champagnerflaschen auf den Schultern eines Kollegen saß und selbst bei dem Feuer ums Leben kam, das Inferno verursacht und einen Fluchtausgang blockiert zu haben.

Die tragischen Ereignisse werfen grundlegende Fragen zur Einhaltung von Brandsicherheitsvorschriften in Gastronomiebetrieben und zur Verantwortung von Betreibern sowie Genehmigungsbehörden auf. Der Prozess wird mit Spannung verfolgt, da er über die individuelle Schuldfrage hinaus auch systemische Versäumnisse aufdecken könnte.

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