BILD-Reporter reist über Ägypten nach Israel: Acht Checkpoints und gesperrter Luftraum
Der BILD-Reporter Til Biermann wagte eine außergewöhnliche Reise, um aus Israel zu berichten. Seit die USA und Israel vor einer Woche den Iran angegriffen haben, ist der zivile Luftraum über Tel Aviv größtenteils gesperrt. Vielen bleibt daher nur der beschwerliche Landweg. Biermann entschied sich für die Einreise über den ägyptischen Grenzübergang Taba.
Die Reise beginnt in Istanbul
Am Flughafen Istanbul beobachtete der Reporter eine ungewöhnliche Szene: Zwischen Mekka-Pilgern standen drei orthodoxe Juden mit Schläfenlocken und weißen Gebetsschals. Sie wollten nach Scharm el-Scheich in Ägypten fliegen, um von dort aus – ähnlich wie der biblische Moses – über den Sinai nach Israel zurückzukehren. Diese Route wurde auch für Biermann zur einzigen Möglichkeit, als Journalist in das Land zu gelangen.
Erste Konfrontation in Ägypten
An der Gepäckkontrolle in Scharm el-Scheich korrigierte ihn ein Beamter scharf, als er sagte, er wolle als Journalist über Taba nach Israel einreisen. „Falastin!“, sagte der Beamte und verwendete damit das arabische Wort für Palästina. Für ihn existierte Israel offiziell nicht. Diese politische Spannung war bereits am Anfang der Reise spürbar.
Ein Taxifahrer mit unerwarteten Sprachkenntnissen
Taxifahrer Moussa, ein 56-jähriger Beduine vom Stamm der Tarabin, bot ein ganz anderes Bild. Er sprach fließend Hebräisch, das er vor 30 Jahren von israelischen Touristen im Badeort Nuweiba gelernt hatte. Zehntausende seines Stammes leben in der israelischen Negev-Wüste und besitzen die israelische Staatsbürgerschaft. „Die Sprachen sind so ähnlich“, erklärte er und gab Beispiele wie „Blut: dom auf Arabisch, dam auf Hebräisch“.
Über den Krieg gegen den Iran sagte Moussa: „Die Schiiten machen uns Sunniten mehr Probleme als die Juden!“ Grundsätzlich lehne er Kriege ab, aber die Ayatollahs hätten die Situation selbst provoziert. „Sie gaben Geld an die Huthis, die Hamas, die Hisbollah, angeblich, um den Palästinensern zu helfen. Jetzt kriegen sie die Rechnung“, so seine Einschätzung.
Die Fahrt durch den Sinai
Am nächsten Morgen begann die dreistündige Autofahrt zum Grenzübergang Taba. Während der gesamten Fahrt erklangen Kapitel des Korans aus den Lautsprechern. Die 32. Sure, „As-Sajda“, passte thematisch zur biblischen Geschichte von Moses, der in dieser Region die zehn Gebote empfangen haben soll.
Die Route führte an zahlreichen verfallenen Hütten und Bungalows am Roten Meer vorbei. Verwitterte Schilder mit Namen wie „Paradise“ und „Kumkum 3“ zeugten von einer längst vergangenen Blütezeit. Früher waren hier israelische Touristen willkommen, doch seit dem Arabischen Frühling 2011 und der Ansiedlung von IS-Terroristen im Nord-Sinai hat sich die Lage nicht mehr entspannt.
Acht Polizeikontrollen bis zur Grenze
Etwa acht Polizei-Checkpoints mussten passiert werden, wobei immer wieder die Papiere vorgelegt werden mussten. Am ersten Kontrollpunkt bat ein Polizist darum, mitfahren zu dürfen. Seine Anwesenheit sorgte dafür, dass die weiteren sieben Kontrollen etwas zügiger abliefen. Nach drei Stunden Autofahrt war der Grenzübergang erreicht.
Die eigentliche Einreise nach Israel verlief dann überraschend reibungslos. Vor Biermann in der Schlange standen nur drei israelische Beduinen, die in die Türkei gereist waren. Für die meisten der schätzungsweise 100.000 im Ausland gestrandeten Israelis scheint diese beschwerliche Reise entweder zu gefährlich oder zu anstrengend zu sein.
Einblick in die aktuelle Situation
Die Reise des Reporters zeigt deutlich die Auswirkungen der aktuellen politischen und militärischen Spannungen. Der gesperrte Luftraum zwingt Reisende auf alternative Routen, während die Sicherheitsmaßnahmen im Sinai intensiviert wurden. Die unterschiedlichen Perspektiven – vom ablehnenden Grenzbeamten bis zum hebräischsprechenden Taxifahrer – verdeutlichen die komplexen Beziehungen in der Region.



