Bundespresseball 2026: Ein Abend zwischen Sentimentalität und politischem Engagement
Mehr als 2000 geladene Gäste aus Medien, Politik und Wirtschaft versammelten sich am Freitagabend im Hotel Adlon am Brandenburger Tor in Berlin, um den 73. Bundespresseball zu feiern. Die von der Bundespressekonferenz organisierte Veranstaltung stand unter dem Motto „Für die Demokratie. Pressefreiheit stärken“ und bot eine Mischung aus festlichem Tanz, politischen Diskussionen und persönlichen Momenten.
Steinmeiers melancholischer Abschied vom traditionellen Ball
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnete den Ball gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender und verriet dabei eine persönliche Note. „Für uns wird es in dieser Funktion das letzte Mal sein, wir werden zum letzten Mal den Ball eröffnen“, sagte Steinmeier auf dem roten Teppich. Seine Gedanken schweiften zurück zum ersten Bundespresseball 1998 in Bonn, den die Kölner Band „Bläck Fööss“ musikalisch begleitete. „Man wird auch ein wenig sentimental, wenn ich zurückdenke“, gestand das Staatsoberhaupt.
Doch neben der Wehmut fanden auch klare politische Worte ihren Platz. Steinmeier äußerte Besorgnis über den zunehmend unversöhnlichen Ton in sozialen Medien und rief dazu auf, aktiv für die Demokratie zu arbeiten. Seine Frau Elke Büdenbender richtete sich speziell an junge Menschen: „Seid interessiert, bringt euch ein, es liegt auch an euch, wie wir diese Demokratie weiter gestalten.“
Prominente Gäste und abwesende Spitzenpolitiker
Unter den geladenen Gästen befanden sich zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen:
- Für die Bundesregierung war Umweltminister Carsten Schneider (SPD) anwesend.
- Die CDU/CSU wurde durch Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn mit Ehemann Daniel Funke sowie Landesgruppenchef Alexander Hoffmann vertreten.
- Die Grünen zeigten sich mit designiertem Ministerpräsidenten Cem Özdemir, den Vorsitzenden Franziska Brantner und Felix Banaszak sowie Ex-Vorsitzender Ricarda Lang.
- Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner und Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch repräsentierten die Hauptstadt.
Auffällig abwesend war Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der an einer Konferenz in Paris zur Iran-Kriegsfolgen teilnahm. Auch die für die Eröffnungsrede vorgesehene Schauspielerin Uschi Glas musste krankheitsbedingt absagen.
Private Einblicke und gesellschaftliche Diskussionen
Ex-Fußballprofi Arne Friedrich, der am Tisch des Bundespräsidenten Platz nahm, teilte auf dem roten Teppich amüsante Anekdoten. Ein Blutfleck auf seinem Smokinghemd wurde mit kaltem Wasser und Seife entfernt – „Ich habe ChatGPT gefragt“, verriet Friedrich schmunzelnd. Über seine Beziehung zur Profitänzerin sagte er: „Ich habe sie vor einem Jahr über Instagram angeschrieben mit ‚Hey, wie geht's Dir?‘“
Die Grünen-Politikerinnen Ricarda Lang und Aminata Touré nutzten die Gelegenheit, um die Solidarität unter Frauen zu betonen. „Es ist wichtig, dass Frauen zusammenhalten und sich nichts gefallen lassen sollten“, betonten sie gemeinsam.
Appelle für Pressefreiheit und demokratische Werte
Mathis Feldhoff, Vorsitzender der Bundespressekonferenz, eröffnete das Dinner mit deutlichen Worten: „Die Demokratien in der Welt stehen unter Druck. Dieser Abend ist ein Signal für die Pressefreiheit, ein Signal zum Aufstehen für die Demokratie.“
Als Festrednerin sprach Melissa Eddy, Korrespondentin der „New York Times“ und Vorsitzende des Vereins der Ausländischen Presse in Deutschland. Sie schilderte die zunehmenden Einschränkungen der Pressefreiheit in den USA unter Präsident Donald Trump, betonte aber auch: „Viele Beispiele und Urteile zeigen, dass die Menschen und die Gerichte bereit sind, die Pressefreiheit in den Vereinigten Staaten zu verteidigen.“
Kulinarisches Angebot und festliche Unterhaltung
Das kulinarische Angebot reichte von bodenständigen Spezialitäten wie Bierbrot-Sandwich mit Leberwurst, Salzhering mit Zwiebeln und Butterfisch-Stullen bis zu gehobenen Kreationen mit Lamm, Garnelen, Brennnessel und Johannisbeeren. Eine „Pralinenpassage“ und Champagner rundeten das Angebot ab.
Musikalisch sorgten die Big Band der Bundeswehr im großen Ballsaal sowie kleinere Bands und DJs auf zwei Etagen für Unterhaltung. Nach Mitternacht begann die große Party, bei der viele Gäste ihre festlichen Schuhe gegen bequemere Fußbekleidung tauschten – auch wenn die meisten Prominenten zu diesem Zeitpunkt bereits den Heimweg angetreten hatten.
Der 73. Bundespresseball vereinte somit festlichen Glamour mit ernsthaften Diskussionen über demokratische Grundwerte und zeigte einmal mehr die Bedeutung unabhängiger Berichterstattung für eine funktionierende Gesellschaft.



