Manchmal sitzt man vor dem Fernseher und weiß schon nach wenigen Minuten: Endlich mal wieder etwas anderes als diese weichgespülte Streaming-Massenware. Keine Serie, bei der schon in der ersten Szene klar ist, welcher Typ in Folge sechs seine große Läuterung erlebt. Keine Figuren, die aussehen, als hätte sie ein Algorithmus nach internationaler Anschlussfähigkeit zusammengeklickt. Genau so eine Serie ist Crooks auf Netflix.
Düster, roh, überdreht: Was Crooks besonders macht
Crooks ist dreckig, schnell und überdreht. Eine Netflix-Serie, in der alle aussehen, als hätten sie entweder gerade etwas sehr Dummes getan oder seien unmittelbar davor, etwas noch Dümmeres zu tun. Es gibt Gangster, die nicht cool wirken, sondern gefährlich kaputt. Es gibt Gewalt, die nicht glamourös ist. Und es gibt Figuren, bei denen man sich fragt, ob irgendjemand im Autorenraum zwischendurch gesagt hat: „Ist das nicht ein bisschen viel?“ Worauf vermutlich ein Österreicher geantwortet hat: „Na geh, des passt scho.“
Und genau da liegt das Problem. Was ich so sehr an dieser Serie liebe, ist leider auch ihr größtes Problem: das Österreichische. Ich meine das ausdrücklich als Kompliment. Dieser Dialekt ist für Crooks kein Beiwerk. Er ist keine regionale Würze, die man über die Handlung streut, damit alles ein bisschen authentischer schmeckt. Er ist ein eigener Hauptdarsteller. Er macht die Figuren größer, schräger, wilder. Er gibt der Serie einen Ton, den deutsche Produktionen viel zu selten haben. Einen Ton, der nach Kneipe, Hinterzimmer, kaputtem Transporter und schlechter Entscheidung um halb drei Uhr morgens klingt.
Die größte Stärke ist das stärkste Problem
Nur: Ich verstehe ihn nicht. Also nicht richtig. Natürlich verstehe ich genug, um der Handlung zu folgen. Jedenfalls meistens. Irgendwer will irgendwas stehlen. Irgendwer betrügt irgendwen. Irgendwer brüllt irgendwas, das offenbar sehr wichtig ist. Dann schaut eine andere Figur so, als sei gerade ein Satz gefallen, der alles verändert. Und ich sitze auf dem Sofa und denke: Schön. Würde ich jetzt auch gern wissen.
Es ist ein eigenartiges Fernseherlebnis. Man liebt den Klang, die Wucht, diese herrlich grantige Musikalität des Wiener Dialekts. Und gleichzeitig fühlt man sich wie jemand, der bei einer Familienfeier am falschen Ende des Tisches sitzt. Alle lachen. Alle wissen Bescheid. Nur man selbst nickt freundlich und hofft, dass niemand nachfragt.
Untertitel wären natürlich eine Lösung. Aber Untertitel sind bei so einer Serie auch ein kleiner Verrat. Trotzdem: Crooks funktioniert. Vielleicht sogar gerade deshalb. Weil die Serie nicht so tut, als müsse alles glatt, verständlich und gefällig sein. Sie hat Ecken, sie hat Dreck unter den Fingernägeln, sie hat Figuren, die aus jeder Szene fallen könnten und trotzdem genau dorthin gehören.
Nur bleibt dieser kleine Frust. Da ist eine Serie, die ich wegen ihrer Sprache feiere. Und wegen genau dieser Sprache verpasse ich ständig etwas.
Ein Glück spielt auch Frederick Lau mit und spricht Deutsch. Aber der nuschelt halt immer so.



