Deutsche-Welle-Journalist in Ankara festgenommen: Vorwurf der Präsidentenbeleidigung
DW-Journalist in Türkei festgenommen: Präsidentenbeleidigung vorgeworfen

Deutsche-Welle-Journalist in Ankara festgenommen: Vorwurf der Präsidentenbeleidigung

In der türkischen Hauptstadt Ankara ist ein Korrespondent der Deutschen Welle (DW) festgenommen worden. Die türkischen Behörden werfen dem Journalisten Alican Uludag Beleidigung des Präsidenten sowie die Verbreitung irreführender Informationen vor. Die Deutsche Welle widerspricht diesen Anschuldigungen auf das Schärfste und fordert die umgehende Freilassung ihres Mitarbeiters.

Festnahme aufgrund von X-Beiträgen

Laut Angaben der Staatsanwaltschaft in Istanbul wurde Uludag in Gewahrsam genommen, nachdem er Inhalte über den Onlinedienst X verbreitet haben soll. Die Vorwürfe beziehen sich konkret auf einen Beitrag, den der Journalist vor etwa eineinhalb Jahren veröffentlicht hatte. In diesem kritisierte er Maßnahmen der türkischen Regierung, die mutmaßliche Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) freigelassen habe. Uludag warf der Regierung in diesem Zusammenhang Korruption vor.

Der festgenommene Journalist wurde noch am Donnerstagabend ins Präsidium der Istanbuler Provinzpolizei gebracht, der höchsten Polizeibehörde der Stadt. Für Freitag war seine Vorführung vor einem Haftrichter geplant.

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Deutsche Welle widerspricht vehement

Die Intendantin der Deutschen Welle, Barbara Massing, erklärte: "Der Vorwurf gegen unseren Kollegen ist haltlos." Uludag sei ein bekannter Investigativjournalist, der seit mehreren Jahren in der Türkei für den Sender tätig sei. Als Gerichtsreporter berichte er über Menschenrechtsverletzungen, Korruptionsfälle und Prozesse und erreiche mit seinen Berichten eine breite Öffentlichkeit.

Massing betonte weiter: "Dass ein Journalist wie ein Schwerverbrecher von 30 Polizisten abgeführt und direkt nach Istanbul gebracht wird, dient der gezielten Einschüchterung und zeigt, wie massiv die Regierung Pressefreiheit unterdrückt. Unser Kollege muss umgehend freigelassen werden."

Reporter ohne Grenzen spricht von "Schikane"

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) bezeichnete die Festnahme Uludags als "Teil der gerichtlichen Schikanen gegen seriöse Journalisten" in der Türkei. RSF-Vertreter Erol Önderoğlu erklärte, Uludag könnte mit seinen Recherchen die Regierenden verärgert haben. Die Festnahme erfolgte vor dem Hintergrund regionaler Entwicklungen: Im Januar hatte die syrische Armee zuvor kurdisch kontrollierte Regionen in den an der Türkei angrenzenden Gebieten Syriens eingenommen.

In dort gelegenen Gefangenenlagern befinden sich Tausende mutmaßliche Dschihadisten. Das für den Nahen und Mittleren Osten zuständige Zentralkommando der US-Armee (Centcom) brachte nach eigenen Angaben bereits mehr als 5700 Gefangene von dort aus in den Irak. Die USA planen insgesamt rund 7000 Gefangene zu transferieren und haben mehrere Staaten aufgefordert, ihre in den Lagern befindlichen Staatsbürger zurückzuholen.

Die türkische Regierung hat auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP bislang keine Angaben dazu gemacht, ob unter den festgehaltenen mutmaßlichen Dschihadisten auch türkische Staatsbürger sind und ob diese in die Türkei zurückgebracht werden.

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