Es klingt absurd, aber es ist ein Trend: KI-generierte Videos, in denen Früchte wie Menschen agieren, fluten soziale Medien. Eine Erdbeere mit weiblichen Zügen hat eine Affäre mit ihrem Bananen-Chef, wird schwanger und bringt eine kleine Banane zur Welt. Der Betrug fliegt auf, als der Erdbeer-Ehemann das Kind sieht und ruft: „Warum halte ich eine Banane?“ Solche Clips werden tausendfach geteilt.
Was steckt hinter dem Fruchtvideo-Hype?
Die Videos zeigen Früchte, Gemüse und Lebensmittel mit menschlichen Körpern, die Beziehungsdramen, Eifersucht oder Rache inszenieren. Untermalt von dramatischer Musik und flachen Dialogen bedienen sie oft Klischees. Besonders beliebt ist „Fruit Love Island“, eine Parodie auf die Dating-Show, in der Bananito und Watermelina in Hawaii-Hemden flirten. Medienethikerin Jessica Heesen von der Universität Tübingen erklärt: „Durch generative KI lassen sich absurde Szenarien einfach erstellen. Der Unterhaltungswert ist hoch, aber es kommen sexuelle Komponenten und Grenzüberschreitungen hinzu.“
Plattformlogiken treiben Verbreitung
Die Algorithmen von TikTok und Instagram belohnen Emotionalisierung und Sensationalismus, nicht Qualität. Heesen vermutet, dass Bots die hohen Klickzahlen antreiben. „Die Motivation ist oft Geld, denn hohe Zugriffszahlen bedeuten Einnahmen.“
Jugendschutz.net warnt vor fragwürdigen Inhalten
Die Plattform Jugendschutz.net beobachtet den Trend seit Jahresanfang. „Was harmlos wirkt, ist oft moralisch fragwürdig, sexistisch oder rassistisch. Es gibt sogar blutige Gewaltszenen gegen Frauen“, heißt es. Kinder und Jugendliche könnten problematische Verhaltensweisen als normal wahrnehmen. In einem Video fordert eine Banane seine Birnen-Frau auf, abzunehmen, und betrügt sie mit einer schlanken Erdbeere.
Medienwirkung ist komplex
Heesen betont: „Nur weil man solche Videos sieht, übernimmt man nicht automatisch die Verhaltensweisen. Die meisten Nutzer erkennen die Klischees als solche.“ Dennoch könnten Rollenbilder durch fiktionale Inhalte geprägt werden – bei KI-Videos sogar extrem und grenzüberschreitend. Die Forschung zu den Motiven der Zuschauer steht noch am Anfang.



