Abschied von Halle: Letzter Fall für Koitzsch und Lehmann im Polizeiruf 110
Im Jahr 2021 kehrte der legendäre Sonntagskrimi „Polizeiruf 110“ für drei Folgen an die Saale zurück. Nun findet diese Trilogie mit der Episode „Der Wanderer zieht von dannen“ ihr finales Ende. Die Schauspieler Peter Kurth und Peter Schneider treten damit als Ermittler-Duo Henry Koitzsch und Michael Lehmann ab, was Fans der ARD-Reihe schmerzlich vermissen werden.
Ein düsterer Fall mit historischen Wurzeln
Die Handlung beginnt mit einem scheinbar banalen Tod: Eine Seniorin wird tot in ihrer Badewanne aufgefunden, umgeben von Kaffee, Kuchen und Musik. Doch Kommissar Koitzsch und sein Kollege Lehmann glauben nicht an einen Unfall. Ein Radio im Wasser und Spuren an der Wohnungstür wecken ihren Verdacht. Als Koitzsch auf dem Fensterbrett eine blaue Trockenblume entdeckt – eine sogenannte Jungfer im Grünen – hat er einen erschreckenden Flashback. Diese Blume hat er bereits bei einem ungelösten Mordfall vor Jahren in Händen gehalten.
Die Ermittlungen führen die Kommissare tief in die Vergangenheit der ehemaligen DDR und ihres Sicherheitsapparates. Ein Serienmörder scheint sein Unwesen zu treiben, der sich gezielt alte und einsame Menschen aussucht, sie beobachtet und unbemerkt in ihre Wohnungen gelangt. „Zwei Einsame, zwei Morde“, fasst Koitzsch die Lage zusammen. Die Suche nach Verbindungen wird zur verzweifelten Jagd auf einen Geist aus der Vergangenheit.
Trilogie mit besonderem Hintergrund
Die Halle-Trilogie wurde von Anfang an als dreiteiliges Projekt konzipiert. Mit der ersten Folge „An der Saale hellem Strande“ im Mai 2021 feierte der „Polizeiruf 110“ sein 50-jähriges Bestehen. Die zweite Episode „Der Dicke liebt“ folgte im April 2024. Für alle drei Teile zeichneten sich der in Halle geborene Drehbuchautor Clemens Meyer und der Leipziger Regisseur Thomas Stuber verantwortlich, deren Zusammenarbeit zu einem stimmigen Gesamtwerk führte.
In der finalen Folge tauchen mit der feschen Katrin Sommer (Cordelia Wege) und der unscheinbaren Rita Schmidtke (Jule Böwe) weitere bekannte Figuren auf. Die Darstellung dieser Frauen durch die Schauspielerinnen ist eine wahre Freude und unterstreicht die feinsinnige Charakterzeichnung der Produktion.
Spannungsgeladener Finalakt mit persönlicher Gefahr
Die Ermittler werden mit weiteren ungelösten Fällen konfrontiert und müssen erkennen, dass sie nicht nur einen Wiederholungstäter, sondern einen Serienmörder jagen. „Weißt du, wie viele der ...? Das geht immer so weiter“, sagt ein um Fassung ringender Lehmann. Die Lage eskaliert, als auch Koitzsch selbst in tödliche Gefahr gerät und der Täter ihn ins Visier nimmt.
„Der Wanderer zieht von dannen“ ist ein düsterer, tiefgründiger Abschluss der Halle-Trilogie, der die Zuschauerinnen und Zuschauer zwingt, um Ecken zu denken und Verbindungen zu suchen – genau wie die wortkarge, feinsinnige Koitzsch und der rationale Lehmann es tun. Die filmische Umsetzung überzeugt durch einen durchdachten Plot und eine beeindruckende atmosphärische Dichte.
Das Erste zeigt diese letzte Folge der Reihe aus Halle am Sonntag um 20.15 Uhr. Damit endet eine Ära im Sonntagskrimi, die mit ihrem regionalen Bezug und den starken Charakteren viele Fans begeisterte. Die Abgänge von Kurth und Schneider hinterlassen eine Lücke, die nur schwer zu füllen sein wird.



