Offener Brief an eine Oscar-Preisträgerin
In seiner neuen täglichen Kolumne für BILD hat sich Harald Martenstein (72) mit einem bemerkenswerten offenen Brief an die renommierte Schauspielerin Tilda Swinton gewandt. Der Anlass: Swintons Forderung gemeinsam mit etwa 80 weiteren Filmschaffenden, dass sich die Berlinale offiziell gegen Israel positionieren solle. Die Unterzeichner werfen Israel vor, in Gaza Völkermord begangen zu haben und stellen den Staat auf eine Stufe mit dem Iran.
Eine differenzierte Gegenposition
Martenstein setzt dieser Gleichsetzung eine klare Analyse entgegen. Israel sei aus Gaza mit größtmöglicher Brutalität angegriffen worden, während die iranische Regierung ihr eigenes, friedlich demonstrierendes Volk attackiere. Der entscheidende Unterschied liege im Charakter der Konflikte: Israel kämpfe gegen eine Armee, der Iran lasse auf unbewaffnete Zivilisten schießen.
Die Ziele der Gegner seien fundamental verschieden: Während Israels Feinde die Auslöschung des Staates anstrebten, wollten die Gegner der iranischen Regierung lediglich nicht länger unterdrückt werden. Martenstein weist besonders auf die Taktik von Israels Gegnern hin, die keine Uniformen trügen und Zivilisten als Schutzschilde missbrauchten, um Kinder als Propagandamaterial zu instrumentalisieren.
Historischer Kontext und Sicherheitsinteressen
Der Kolumnist erinnert daran, dass Israel sich bereits 2005 aus dem Gazastreifen zurückgezogen und jüdische Siedler zur Aufgabe ihrer Dörfer gezwungen habe. Das Land sei den Palästinensern übergeben worden – die Antwort darauf sei jedoch nicht Frieden, sondern Terror gewesen. Israel wolle nicht die Palästinenser ausrotten, sondern lediglich Sicherheit vor weiteren Angriffen gewährleisten.
Martenstein betont, dass er nicht behaupte, Israel mache alles richtig. Doch der Vorwurf, der Staat sei mit dem Iran vergleichbar, sei schlichtweg unsinnig. An Swinton gerichtet stellt er fest: Sie habe keinen Preis für politische Weitsicht verdient, bleibe aber als Schauspielerin eine absolute Größe.
Eine klare Absage an politische Simplifizierung
Der offene Brief endet mit der höflichen, aber deutlichen Unterschrift Hochachtungsvoll Ihr Harald Martenstein. Die Kolumne stellt nicht nur eine persönliche Ansprache dar, sondern auch eine grundsätzliche Kritik an der Tendenz, komplexe geopolitischen Konflikte in einfache Gut-Böse-Schemata zu pressen. Martenstein plädiert für eine differenzierte Betrachtung, die historische Fakten und Sicherheitsinteressen berücksichtigt, statt sich auf emotionale Gleichsetzungen zu beschränken.



