Netflix-Boykott: Münchner Synchronsprecherinnen fürchten KI-Bedrohung für ihre Branche
Netflix-Boykott: Synchronsprecherinnen fürchten KI-Bedrohung

Netflix-Boykott: Warum Münchner Synchronsprecherinnen um ihre Zukunft fürchten

Die Münchner Synchronsprecherinnen Laura Preiss und Anja Gräfin von Keyserlingk stehen vor einer existenziellen Herausforderung. Beide sind nicht nur als Schauspielerinnen aktiv, sondern verleihen seit Jahren ihre Stimmen prominenten Film- und Serienfiguren. Doch aktuell sorgt eine kontroverse Klausel des Streaming-Riesen Netflix für massive Verunsicherung in ihrer Branche.

Die KI-Klausel von Netflix als Auslöser des Boykotts

Seit Anfang des Jahres boykottieren zahlreiche Synchronsprecher Netflix-Produktionen. Der Grund ist eine neue Vertragsklausel, die es dem Unternehmen erlaubt, mit den aufgenommenen Stimmen der Sprecher Künstliche Intelligenz zu trainieren. Fachleute wie Preiss und von Keyserlingk befürchten, dass dies langfristig ihren Berufsstand obsolet machen könnte.

Laura Preiss, deren Stimme in Erfolgsserien wie Law & Order, Blue Bloods oder Modern Family zu hören ist, erklärt: "Es gab Zeiten, da habe ich durch Netflix gescrollt und mich auf jeder Seite bestimmt fünfmal in einem Film oder einer Serie wiedergefunden." Doch jetzt müssen in München aktuell acht Netflix-Produktionen pausieren, weil Synchronsprecher die Zusammenarbeit verweigern.

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Besondere Sorge um Nebenrollen und kreative Aspekte

Die beiden Münchnerinnen, die sich 2014 bei der Synchronisation des Films Wie schreibt man Liebe? mit Hugh Grant kennenlernten, betonen die kreative Dimension ihrer Arbeit. "Es ist toll, mit seiner Stimme zu arbeiten. Es ist eine Technik, die man über Jahre lernen und beherrschen muss, aber auch kreativ – in jede Figur gibt man auch etwas von sich selbst", so Preiss.

Besondere Sorge bereitet den Profis der mögliche Verlust von Nebenrollen. Laura Preiss vermutet: "Die Stimmen, die Angelina Jolie, Brad Pitt, die Hauptrollen sprechen, kennt jeder, die werden sich sicher erst einmal halten. Aber bei kleineren Rollen könnte die KI schneller Einzug halten."

Bereits spürbare Auswirkungen auf die Branche

Anja von Keyserlingk, die auch als Moderatorin und Dirndl-Designerin aktiv ist, beobachtet bereits konkrete Veränderungen: "Plötzlich kamen immer weniger Anfragen von Studios." Sie hat sich bewusst aus der Synchronbranche zurückgezogen, um hauptberuflichen Kollegen die Rollen nicht wegzunehmen.

Gleichzeitig gibt es bereits erste vollständig KI-synchronisierte Produktionen wie den chinesischen Arthouse-Film Black Dog aus dem Jahr 2024. Profis wie die Münchnerinnen hören den Unterschied noch deutlich, fragen sich aber, wie lange dies noch der Fall sein wird.

Initiativen und berufliche Perspektiven

Um auf die Problematik aufmerksam zu machen, hat Synchronsprecherin Stefanie Dischinger die Aktion "Kellnern gegen KI in der Kunst" initiiert. Dabei bediente sie im Giesinger Bräustüberl – das Trinkgeld kommt dem Berufsverband VDS zugute, der sich für die Rechte deutscher Synchronsprecher einsetzt.

Laura Preiss will ihren Traumjob noch nicht abschreiben, gesteht aber: "Ich müsste lügen, würde ich sagen, ich habe keine Angst, wie es weitergeht." Die Entwicklung zeigt, wie tiefgreifend künstliche Intelligenz traditionelle Medienberufe verändern könnte.

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