Tierärztinnenserien im TV: Traumjob oder verlogene Idylle?
Tierärztinnenserien: Traumjob oder TV-Idylle?

Tierärztinnenserien im Aufwind: Neue Formate erobern das Fernsehen

Im deutschen Fernsehen ist derzeit ein deutlicher Trend zu beobachten: Tierärztinnenserien erleben einen regelrechten Boom bei den Öffentlich-Rechtlichen. Während klassische Tier- und Arztserien seit Jahrzehnten zum Fernsehprogramm gehören, setzen Sender wie ZDF und ARD nun verstärkt auf weibliche Hauptfiguren in der Veterinärmedizin.

Von männlichen Veterinären zu weiblichen Tierärztinnen

Historisch betrachtet dominierten in Tierarztserien lange männliche Hauptfiguren. Serien wie Daktari, Unser Charly oder Der Doktor und das liebe Vieh prägten das Bild. Doch ähnlich wie in anderen Genres hat sich auch hier die Rollenverteilung gewandelt. Vorreiterin war Tierärztin Dr. Mertens mit Elisabeth Lanz in der Hauptrolle, die seit fast zwei Jahrzehnten in der ARD läuft.

Neue Serien im Programm

Das ZDF startet aktuell mit der Serie Die Maiwald, in der Doris Schretzmayer die energiegeladene Tierärztin Johanna Maiwald spielt. Die Praxis liegt idyllisch in Maria Alm im Salzburgerland, wo sich die Protagonistin um alle Tiere kümmert – von magenkranken Kühen über vergiftete Katzen bis hin zu depressiven Hunden. Die ersten beiden Filme stehen seit dem 5. März im ZDF-Streamingportal und werden Ende März/Anfang April linear ausgestrahlt.

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Parallel dazu setzt die ARD ihre Reihe Zwei Frauen für alle Felle fort, die im Herbst 2025 gestartet ist. Bettina Zimmermann spielt hier die Tierärztin Maja Freydank, unterstützt von Kollegin Julia Kramer (Meriel Hinsching). Die Serie behandelt nicht nur tierärztliche Fälle, sondern auch persönliche Herausforderungen wie Trennung und Patchworkfamilien.

Die Realität hinter der TV-Idylle

Die heile Welt der Fernsehserien steht in starkem Kontrast zur Berufsrealität von Tierärztinnen und Tierärzten. Zwar entspricht der hohe Frauenanteil in den Serien durchaus der Realität – etwa zwei Drittel der praktizierenden Tierärzte in Deutschland sind weiblich. Doch der Berufsalltag ist weit weniger idyllisch als im Fernsehen dargestellt.

Psychische Belastungen im Beruf

  • Tierärzte müssen häufig schnelle Entscheidungen über Leben und Tod treffen
  • Der Umgang mit emotional aufgeladenen Tierbesitzern stellt eine enorme psychische Herausforderung dar
  • Nur etwa die Hälfte der Veterinäre fühlt sich in ihrem Beruf wertgeschätzt

Eine Studie der FU Berlin und Universität Leipzig zeigte alarmierende Zahlen: Unter mehr als 3.000 befragten Tiermedizinern hatte etwa ein Fünftel aktuelle Suizidgedanken, und mehr als ein Viertel wies klinisch auffällige Depressionswerte auf. Diese Werte liegen vier- bis sechsmal höher als in der deutschen Gesamtbevölkerung.

Schauspielerinnen mit tierischem Hintergrund

Interessanterweise bringen einige Darstellerinnen persönliche Erfahrungen mit Tieren in ihre Rollen ein. Doris Schretzmayer wuchs selbst auf einem Bauernhof auf und besuchte für ihre Rolle zwei Tierärztinnen in der Nähe des Drehorts. Bettina Zimmermann wiederum ist mit der NABU-Station ihrer Mutter aufgewachsen und hat daher eine natürliche Beziehung zu Tieren.

Die neuen Tierärztinnenserien bieten zwar unterhaltsame Fernsehabende in idyllischer Kulisse, doch sie zeigen nur einen kleinen Ausschnitt der komplexen Berufswelt. Während das Fernsehen auf emotionale Geschichten und tierische Patienten setzt, bleibt die harte Realität des Veterinärberufs oft im Hintergrund.

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