Retuschierte Diplomatin: US-Botschaft in Luxemburg entfernt frühere Botschafterin aus Foto
Ein skurriler Vorfall erschüttert die diplomatischen Kreise in Luxemburg: Die US-Botschaft in Luxemburg hat auf ihrem Instagram-Account ein manipuliertes Foto veröffentlicht, das eine Gruppe um die derzeitige US-Botschafterin Stacey Feinberg und den luxemburgischen Großherzog Guillaume bei einem Empfang in New York City zeigt. Dem Chefredakteur des Luxemburger „Tageblatt“, Armand Back, fiel auf, dass einer Person im Hintergrund sowohl Schulter als auch Arm fehlen. Dies berichtete er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Ein erstes Indiz dafür, dass hier nachgeholfen worden sein musste.
Die Entdeckung der Manipulation
Backs Recherche ergab, dass ursprünglich eine weitere Person auf dem Bild zu sehen war: die frühere US-Botschafterin Cynthia Stroum. Ein zweites, nicht retuschiertes Foto zeigt sie an genau der Stelle, die auf dem bearbeiteten Bild leer erscheint. Stroum war nur etwas mehr als ein Jahr in Luxemburg im Amt, soll in dieser Zeit jedoch große Teile des Personals gegen sich aufgebracht haben. Ein offizieller Bericht kam zu dem Schluss, dass unter anderem Stroums Führungsstil dazu geführt habe, dass wesentliche Bereiche der Botschaft dysfunktional waren.
Fragen zur Verantwortung
Ließ die Botschaft die demokratische Politikerin bewusst von dem Foto verschwinden? Die luxemburgische Delegation distanzierte sich von dem Vorgehen und betonte, nichts damit zu tun zu haben. Die US-Botschaft antwortete auf eine Anfrage des „Tageblatt“ nicht auf Fragen, ob sie es für unbedenklich halte, derart bearbeitete Bilder zu veröffentlichen, oder warum das Foto überhaupt bearbeitet wurde. Mehr noch als das Warum interessiert in diesem Fall die Wirkung – zumal die US-Regierung unter Donald Trump deutlich freihändiger mit der Bearbeitung digitaler Inhalte agiert als ihre Vorgängerinnen. Der US-Präsident selbst veröffentlicht regelmäßig KI-Videos.
Eine Blaupause für die Zukunft?
Back bezeichnet den Fall als „Blaupause für alles, was später noch kommen sollte“, wie er der „FAZ“ sagte. „Hier wird die Öffentlichkeit getäuscht, das Bild entspricht nicht mehr der Wirklichkeit. Wir sollten sehr darauf achten, dass ein solches Vorgehen in Zeiten von KI und Fake News nicht Usus wird.“ In sozialen Netzwerken erinnern Nutzer an das Vorgehen in der Sowjetzeit, als Diktator Josef Stalin offizielle Fotos retuschieren ließ, um ein neues Narrativ zu spinnen. Damals brauchte es noch Schere und Klebstoff oder Retuschierpinsel – heute reicht oft schon das Smartphone.



