ZDF-Nachrichtenchefin entschuldigt sich live für KI-Videos im „heute journal“
In einer außergewöhnlichen Live-Entschuldigung unterbrach Anne Gellinek, Moderatorin des „heute journal“ und ZDF-Vize-Chefredakteurin, am Dienstagabend die Nachrichtensendung, um sich für die Versendung gefälschter KI-Videos zu entschuldigen. Die 64-jährige Nachrichtenchefin bezeichnete den Vorfall als „Doppelfehler, der besonders schmerzt“ und bat die Zuschauer ausdrücklich um Verzeihung.
Gefälschte Videos über Trumps Abschiebungen
Das ZDF hatte am Sonntagabend im „heute journal“ zwei problematische Videos über die Abschiebungen von Migranten unter Donald Trump ausgestrahlt. Bei einem Clip handelte es sich um ein mit Künstlicher Intelligenz erstelltes Video, während das zweite Material einen vier Jahre alten Vorfall zeigte – die Festnahme eines 10-jährigen Jungen nach einer Amokdrohung in Florida im Mai 2022.
In der Anmoderation hatte Moderatorin Dunja Hayali noch betont, dass „nicht alle Videos zu den Einsätzen der ICE-Truppen von Donald Trump echt“ seien, aber „sehr viele“. Der Beitrag suggerierte jedoch fälschlicherweise, dass die gezeigten Szenen aktuelle Ereignisse dokumentierten.
ZDF reagiert mit Löschung und Korrektur
Nach aufkommender Kritik entfernte das ZDF die gesamte Ausgabe des „heute journal“ zunächst aus der Mediathek. In einer zwischenzeitlich verfügbaren korrigierten Fassung wurden die falschen Videosequenzen durch Standbilder ersetzt. Am Dienstag war die Sendung erneut nicht auffindbar – das ZDF hatte den Beitrag von allen Plattformen entfernt.
„Wir werden auf ZDFheute.de sowie an gleicher Stelle im ‚heute journal‘ korrigierend berichten“, teilte der Sender mit. Offen blieb dabei, ob der Redaktion und Moderatorin Hayali zum Zeitpunkt der Ausstrahlung bekannt war, dass es sich bei einem der Clips um KI-generiertes Material handelte.
Politische Reaktionen und Medienkritik
Der FDP-Politiker und ehemalige Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki bezeichnete den Vorfall auf X als „Medienskandal, der uns noch lange beschäftigen wird“. Er kritisierte, dass das ZDF „3,6 Millionen Zuschauer in die Irre geführt“ habe.
Anne Gellinek betonte in ihrer Entschuldigung: „Wir bei den ZDF-Nachrichten investieren sehr viel Kraft, um Ihnen geprüfte Informationen zu liefern.“ Dies sei dieses Mal „nicht gelungen“. Die Nachrichtenchefin versprach eine sorgfältige Aufarbeitung des Doppelfehlers, der das Vertrauen in die Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Senders erschüttert hat.



