Evangelischer Bischof warnt vor AfD-Regierung in Mecklenburg-Vorpommern
Der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelischen Nordkirche, Tilman Jeremias, hat klare Worte gefunden: Eine Regierungsbeteiligung der AfD im Nordosten wäre kein Spaß für die Religionsgemeinschaften und die Kirchen. In einem aktuellen Interview mit dem „Nordkurier“ äußerte Jeremias fundamentale Bedenken gegenüber der Partei.
Unvereinbarkeit mit christlichen Grundwerten
Für Bischof Jeremias steht fest: Die AfD ist nicht mit dem christlichen Glauben und der evangelischen Lehre vereinbar. „Für uns als Christinnen und Christen ist es wesentlich, dass alle Menschen Geschöpfe Gottes sind“, betonte der Geistliche. Die Bibel gehe sogar noch weiter und beschreibe die Menschen als Ebenbilder Gottes.
Aus dieser theologischen Grundüberzeugung leitet Jeremias die Unantastbarkeit der Menschenwürde ab, die für alle Menschen gleichermaßen gelte. „Dann gibt es keine Abstufungen zwischen unterschiedlichen Gruppen“, unterstrich der Bischof. „Dann haben gebürtige Deutsche keinen höheren Wert als zum Beispiel Menschen, die zugewandert sind.“
Konkrete Kritikpunkte an der AfD
Jeremias nannte zwei zentrale Punkte, die aus seiner Sicht die Unvereinbarkeit der AfD mit christlichen Werten belegen:
- Die Partei behaupte eine höhere Wertigkeit bestimmter Bevölkerungsgruppen
- Die AfD plane einen Umbau des Sozialsystems, der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte einseitig benachteiligen würde
„Und auch das kollidiert mit der Gleichwertigkeit aller Menschen, an die wir als Christen glauben“, erklärte der Bischof deutlich.
Wahlausgang mit weitreichenden Folgen
Die politische Lage in Mecklenburg-Vorpommern gibt Anlass zur Sorge. Obwohl der Landesverband der AfD im Vergleich zu anderen ostdeutschen Verbänden noch als gemäßigt gilt und nicht vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft ist, zeigen Umfragen ein klares Bild:
- Gut fünfeinhalb Monate vor der Landtagswahl am 20. September liegt die AfD klar vor allen anderen Parteien
- Wahlforschungsinstitute gehen von einem Ergebnis von deutlich über 30 Prozent für die AfD im Nordosten aus
Vorbereitungen auf mögliche Regierungsbeteiligung
Die Evangelische Kirche mache sich keine Illusionen, sagte Jeremias. Sollte die AfD in Mecklenburg-Vorpommern tatsächlich an die Regierung kommen, würde dies nicht nur die Religionsgemeinschaften betreffen, sondern auch:
- Den Bildungs- und Wissenschaftsbereich
- Die Wirtschaft des Landes
„Da müssen wir gut vorbereitet sein“, mahnte der Bischof. Gleichzeitig plädierte er für Gespräche mit potenziellen AfD-Wählern, die von sich sagten, „dass sie kein rechtsextremes, geschlossenes Weltbild haben und keine Nazis sind“.
Reaktion der AfD
Die AfD zeigte sich empört über die Äußerungen des Bischofs. Horst Förster, rechtspolitischer Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, warf Jeremias vor, Wahlkampf gegen die AfD zu betreiben und sprach von Unterstellungen. „Es geht dem Bischof allein darum, die AfD mit dem moralischen Gewicht seines Amtes als unwählbar hinzustellen“, erklärte Förster.
Die deutlichen Worte des evangelischen Bischofs zeigen, dass die bevorstehende Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern nicht nur politische, sondern auch grundsätzliche weltanschauliche Fragen aufwirft. Die Kirchen bereiten sich bereits jetzt auf mögliche Konflikte vor, sollte die AfD tatsächlich Regierungsverantwortung übernehmen.



