Karfreitagsritual auf den Philippinen: Ein Mann beendet nach 37 Jahren seine Kreuzigungen
Jedes Jahr am Karfreitag inszenieren katholische Gläubige auf den Philippinen blutige Rituale, darunter freiwillige Kreuzigungen. Ruben Enaje, der bereits 37 Mal an ein Kreuz genagelt wurde, hat nun angekündigt, in den Ruhestand zu treten. Dieses extreme Spektakel zieht sowohl Gläubige als auch Touristen an, obwohl die katholische Kirche es ablehnt.
Das letzte Ritual in San Pedro Cutud
Im Dorf San Pedro Cutud in der Provinz Pampanga trug sich an diesem Karfreitag erneut ein blutiges Ereignis zu. Enaje, bekannt als der "Jesus von Pampanga", wurde mit echten Nägeln an ein Kreuz geschlagen. Zuvor hatte er bei 34 Grad Hitze eine Dornenkrone getragen und sein Kreuz über 1,8 Kilometer zu einem Hügel getragen, begleitet von Einheimischen in historischen Kostümen römischer Soldaten und biblischer Klageweiber.
Enaje war nicht der einzige Philippiner, der sich an diesem Tag selbst Leid zufügte. In vielen Städten des überwiegend katholischen Landes tragen Männer Kreuze durch die Straßen oder geißeln sich mit Peitschen blutig. Diese Rituale dienen dazu, an das Leiden und den Tod Christi zu erinnern und für Sünden zu büßen.
Hintergrund und Motivation von Enaje
In den 1980er Jahren überlebte Enaje einen schweren Sturz von einem Gebäude und glaubte an ein Wunder. In einem Gelübde verpflichtete er sich, die Kreuzigung Jesu nachzustellen. Seine erste Kreuzigung fand 1986 statt. Ursprünglich sollte das Gelübde neun Jahre dauern, doch er verlängerte es um weitere 18 Jahre, um seiner kranken Frau und Tochter zu helfen. Da kein geeigneter Nachfolger gefunden wurde, setzte er die Tradition fort.
Enaje erklärte philippinischen Medien, dass seine Kreuzigung am Karfreitag 2026 definitiv die letzte sei. Bei diesem finalen Ritual wolle er für den Frieden in der Welt beten.
Reaktionen der Kirche und Behörden
Die katholische Kirche lehnt Live-Kreuzigungen und ähnliche Selbstgeißelungen ab, verbietet diese extreme Form der Glaubensauslebung jedoch nicht. Auch örtliche Behörden warnen regelmäßig davor, sich als Ausdruck des religiösen Glaubens selbst Schmerzen und Verletzungen zuzufügen. Trotz dieser Bedenken bleibt das Ritual ein fester Bestandteil der Karfreitagstraditionen auf den Philippinen.



