Hilfetelefon für Männer: Anlaufstelle bei Gewalt bricht das Schweigen
Hilfetelefon für Männer bricht Schweigen bei Gewalt

Hilfetelefon für Männer bietet wichtige Anlaufstelle bei Gewalterfahrungen

Psychische Gewalt, Demütigungen, Schläge: Auch Männer werden Opfer von Gewalt. Doch dieses Thema ist oft mit großer Scham behaftet. Wie Betroffene das Schweigen überwinden können und wo konkrete Hilfe zu finden ist, zeigt das spezialisierte Hilfetelefon Gewalt an Männern deutlich auf.

Bayern verzeichnet 970 Anrufe im vergangenen Jahr

Rund 970 Mal haben Anrufer aus Bayern im Jahr 2025 das "Hilfetelefon Gewalt an Männern" kontaktiert. "Ob psychische Gewalt, Misshandlung, Mobbing oder Übergriffe in der Partnerschaft, die Fachkräfte hören zu – anonym, kostenlos und sicher", betonte das bayerische Sozialministerium in München anlässlich des sechsjährigen Bestehens dieses wichtigen Angebots.

Denn: "Auch Männer erleben Gewalt – in der Kindheit, auf der Straße, in Institutionen oder in der Partnerschaft." Den aktuellen Angaben zufolge sind etwa 30 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt männlich. Allerdings bleibt ihr Leid häufig im Verborgenen und wird nicht öffentlich thematisiert.

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Sozialministerin Scharf appelliert an Betroffene

"Oft stecken Männer die Demütigungen, Drohungen oder Schläge jahre- und sogar jahrzehntelang ein. Denn darüber spricht man(n) nicht", schilderte Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf von der CSU die prekäre Situation. Häufig sei Scham der Grund: Der Mythos vom "starken Mann" halte sich in der Gesellschaft hartnäckig.

"Ich würde mir sehr wünschen, dass noch mehr Männer diese Spirale des Schweigens durchbrechen, denn ein gewaltfreies Leben ist möglich", betonte Scharf mit Nachdruck. Das Hilfetelefon biete hierfür einen geschützten und vertraulichen Raum.

Gewalt häufig durch (Ex-)Partnerinnen ausgeübt

Aus den detaillierten Erhebungen des Männerhilfetelefons geht deutlich hervor, dass die Betroffenen im Jahr 2025 in knapp zwei Dritteln (61 Prozent) der dokumentierten Fälle Gewalt von der (Ex-)Partnerin oder dem (Ex-)Partner ausgesetzt waren. In über zwei Dritteln der Fälle wurde dabei eine ausschließlich weibliche Täterschaft angegeben, teilte das Ministerium mit.

Die häufigsten Anliegen der Anrufer waren:

  • Psychosoziale Beratung (50 Prozent)
  • Beratung bezüglich einer aktuellen Gewaltsituation (41 Prozent)
  • Schutz vor weiterer Gewalt (34 Prozent)

Bundesweite Nutzung und regionale Angebote

Das unter der Nummer 0800 123 99 00 erreichbare Männerhilfetelefon war am 22. März 2020 an den Start gegangen. Es bietet betroffenen Männern ein offenes Ohr und konkrete Unterstützung. Riefen im Gründungsjahr noch 1.480 Menschen an, waren es im vergangenen Jahr bereits 4.051 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Bei mehr als zwei Dritteln der Anrufer handele es sich um von Gewalt direkt Betroffene, erläuterte das Ministerium – wobei die Gewalt vor allem in der Partnerschaft oder dem nahen sozialen Umfeld stattfinde. Knapp ein Viertel der Anrufe komme aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen oder von Fachstellen.

Das Männerhilfetelefon wird von Augsburg aus betrieben. Neben den Gründungsländern Bayern und Nordrhein-Westfalen beteiligen sich mittlerweile Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz an der Finanzierung dieses wichtigen Projekts.

Neben der telefonischen Beratung erhalten Betroffene beim Männerhilfetelefon auch online Unterstützung unter www.maennerhilfetelefon.de. Im Freistaat Bayern gibt es darüber hinaus spezialisierte Beratungsstellen in München, Nürnberg und Augsburg sowie Schutzwohnungen in Nürnberg und Augsburg für akut gefährdete Männer.

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