Nächtlicher Kampf gegen den Frost: Kerzen und Heißluft schützen Obstplantagen
In den frühen Morgenstunden, wenn die meisten Menschen noch schlafen, leuchten auf Obstplantagen in Sachsen-Anhalt ungewöhnliche Lichtquellen: Hunderte von Kerzen flackern unter Aprikosenbäumen und erzeugen wärmende Flammen, während spezielle Geräte heiße Luft über Kirschbaumreihen blasen. Diese nächtlichen Maßnahmen sind kein romantisches Spektakel, sondern ein existenzieller Kampf der Obstbauern gegen späte Nachtfröste, die die empfindlichen Früchte und Blüten bedrohen.
Frostschutzkerzen bewahren Aprikosen-Ernte
Auf der Aprikosen-Plantage des Obsthofs Hornemann in Altenweddingen im Landkreis Börde brannten in der Nacht zum Mittwoch zahlreiche Frostschutzkerzen zwischen den Bäumen. Die Bäume tragen bereits kleine Früchte, die durch die nächtlichen Minustemperaturen ernsthaft gefährdet sind. Gegen drei Uhr morgens fiel das Thermometer auf der Plantage unter die Null-Grad-Marke, was die Obstbauern zu ihrem ungewöhnlichen Einsatz veranlasste. Die Kerzen erzeugen nicht nur Licht, sondern vor allem Wärme, die direkt an die jungen Aprikosen abgegeben wird und sie vor Erfrierungen schützt.
Frostbooster schützen empfindliche Kirschblüten
Parallel zu den Kerzen setzt der Obsthof Hornemann auch technische Hilfsmittel ein: Ein Traktor mit einem sogenannten Frostbooster fuhr in den frühen Morgenstunden durch die Kirschbaumreihen. Dieses spezielle Gerät erzeugt mit einer Gasflamme heiße Luft, die gezielt über die empfindlichen Kirschblüten geblasen wird. Die Kirschbäume stehen aktuell in voller Blüte, und ein Frostschaden könnte die gesamte Ernte des Jahres gefährden. Der Frostbooster erwärmt die Luft um die Blüten herum und verhindert so, dass sich Eiskristalle bilden, die das Pflanzengewebe zerstören könnten.
Deutscher Wetterdienst bestätigt Frostlage
Florian Engelmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) bestätigte die kritische Wetterlage: „Vor allem im Norden Sachsen-Anhalts, aber auch im Harz hat es in der Nacht zum Mittwoch Frost gegeben.“ In der Altmark wurden minus 2 Grad Celsius gemessen, in Stiege im Harz sogar minus 3 Grad. In den südlichen Landesteilen lagen die Temperaturen knapp um den Gefrierpunkt. Diese Werte wurden in der für Menschen relevanten Höhe von zwei Metern ermittelt, während es in Bodennähe fast überall Frost gab – genau dort, wo sich die empfindlichen Blüten und ersten Fruchtansätze der Obstbäume befinden.
Aussichten: Milderung in Sicht
Mit Blick auf die kommenden Nächte gab Engelmann jedoch Entwarnung: „Es wird in weiten Teilen milder.“ Hochnebel ziehe von Norden ein und sorge dafür, dass die Temperaturen verbreitet über null Grad bleiben werden. Für die Obstbauern bedeutet dies eine vorübergehende Entspannung, doch die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass späte Fröste im April immer wieder auftreten können. Die aufwändigen Schutzmaßnahmen bleiben daher ein wichtiger Bestandteil der obstbaulichen Praxis in der Region.
Die nächtlichen Einsätze der Obstbauern verdeutlichen, wie sensibel die Landwirtschaft auf klimatische Veränderungen reagiert und mit welchem Aufwand sie ihre Ernten schützen muss. Während die Kerzen unter den Aprikosenbäuren langsam verlöschen und die Frostbooster verstummen, hoffen die Landwirte auf eine erfolgreiche Ernte, die ihre Mühen belohnt.



