In Schwäbisch Gmünd stehen sechs Häuser, die alle denselben Namen tragen: Hoffnungshaus. Hier leben Einheimische und Geflüchtete, Familien und Senioren gemeinsam unter einem Dach. Die Mieten sind günstig, es gibt Tanzkurse und eine Hausaufgabenhilfe. Dafür haben die Bewohner ein Versprechen abgegeben: Sie helfen einander und bringen sich in der Hausgemeinschaft ein.
Ein Projekt der Hoffnungsträger-Stiftung
Hinter dem Projekt steht die Hoffnungsträger-Stiftung, finanziert vom Pharma-Erben Tobias Merckle. Der Vorstand der Stiftung, Marcus Witzke, erklärte im Interview mit der SPIEGEL-Redakteurin Jule Lutteroth: „Vor zehn Jahren wurden viele Menschen in Containern, Turnhallen oder Lagerhallen untergebracht. Wir waren überzeugt: So wird niemand gut integriert.“ Die Hoffnungshäuser seien keine abgeschotteten Einrichtungen, sondern offene Angebote für die ganze Kommune.
Begegnungen im Hoffnungshaus
Jule Lutteroth erlebte bei einem Besuch die gelebte Gemeinschaft: Sie traf einen 19-Jährigen, der Deutsch lernt und sich um einen Ausbildungsplatz als Maler und Lackierer bemüht. Eine Achtklässlerin, die lieber mit anderen für die Schule lernt als allein. Und eine Rentnerin, 71, die sagt: „Wenn wir Leben sehen wollen, müssen wir nur auf unseren Balkon gehen.“
Ein Modell für gesellschaftlichen Zusammenhalt
Die Welt könne viel von solchen Projekten lernen, sagt Jule. „Die Idee ist so simpel, dass man sich wundert, warum sie nicht öfter umgesetzt wird.“ Auch sie könne sich nach dem Besuch vorstellen, an einem Ort wie dem Hoffnungshaus zu leben: „Mich inspiriert, wie warmherzig die Menschen miteinander umgehen.“
Das Interview mit Marcus Witzke zeigt, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt im Kleinen möglich ist. Es regt dazu an, das Konzept von Familie und Gemeinschaft neu zu denken – jenseits von Vater, Mutter, Kind.
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