Intimer, schlichter, günstiger: So wandelt sich die Bestattungskultur in München
Wandel der Bestattungskultur in München: Intimer und günstiger

Intimer, schlichter, günstiger: So wandelt sich die Münchner Bestattungskultur

Bestattungen in München verändern sich grundlegend: Sie werden intimer, einfacher und preiswerter. Heino Jahn, Leiter der Münchener Friedhöfe, erläutert im Detail, wie die Gesellschaft den Abschied neu gestaltet und welche Faktoren diesen Wandel vorantreiben.

Der Tod im urbanen Raum

Mitten im lebendigen Glockenbachviertel, umgeben von schicken Altbauten, Cafés, feiernden jungen Menschen und flanierenden Familien, ist der Tod ganz nah präsent. Zwei Bestatter bieten hier ihre Dienste an – für jeden sichtbar, mit großen Schaufenstern. Daneben verkauft eine Künstlerin seit Jahren ihre selbstbemalten Urnen und Särge, was zeigt, wie unkonventionell und persönlich Abschiede heute gestaltet werden können.

Statistiken und Realitäten

Stellen Sie sich vor, Sie steigen am Scheidplatz in die Linie 144. Ein Elektrobus mit exakt 31 Sitzplätzen ist bis auf den letzten Platz belegt. Diese Zahl entspricht genau der täglichen Sterberate in der Landeshauptstadt. "Die Bestattungskultur spiegelt die Gesellschaft", betont Heino Jahn, der als Bauingenieur den Eigenbetrieb "Friedhöfe und Bestattung München" leitet. Sein Verantwortungsbereich umfasst 26 Friedhofsanlagen, das Krematorium und die Städtische Bestattung.

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Jährlich sterben in München zwischen 11.500 und 12.000 Menschen. Allerdings werden nicht alle dort begraben. Viele Menschen aus dem Umland werden in Münchens großen Krankenhäusern behandelt und sterben dort, wodurch ihr Todesort offiziell als München gilt. Die Beisetzung erfolgt jedoch oft im Heimatort. Umgekehrt werden auch Menschen, die nicht in München lebten, hier begraben, etwa weil bereits ein Familiengrab existiert. "Das hält sich also relativ die Waage", erklärt der 62-Jährige.

Gesellschaftlicher Wandel und finanzielle Realitäten

In den vergangenen Jahren hat Jahn deutliche Veränderungen in der Bestattungskultur festgestellt. Zwar gibt es nach wie vor Beisetzungen mit 200 Gästen, doch die Nachfrage nach großen Feiern nimmt kontinuierlich ab. Eine weitere signifikante Entwicklung beobachtet der Friedhof-Chef: "Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Das merkt man auch in der Bestattung".

Viele Menschen können sich eine opulente Beisetzung schlichtweg nicht mehr leisten. Daher steigt die Nachfrage nach preisgünstigen Särgen, Urnen, Sterbewäschen oder Sargauskleidungen spürbar an. Ob finanzielle Nöte, familiärer Wandel oder neue Trends – für Jahn ist klar, dass eine Bestattungskultur immer ein Spiegel der Gesellschaft ist.

Gestaltung des Wandels

Abschiede werden funktionaler für den schmalen Geldbeutel oder intimer, weil Familien kleiner werden und verstreuter leben. Auch die Ästhetik unterliegt einem Wandel: Särge werden schlichter oder individueller gestaltet, und die Farbe Schwarz ist auf dem Friedhof längst keine Pflicht mehr. Die Bestattungskultur entwickelt sich aktiv mit der Gesellschaft weiter.

Zwei Bestattungshäuser im Glockenbachviertel – "weiss – über den Tod hinaus" und "Stephan Alof Bestattungen" – bilden diesen Wandel nicht nur ab, sondern gestalten ihn aktiv mit. Gemeinsam mit der benachbarten Künstlerin, die selbstbemalte Urnen und Särge verkauft, demonstrieren sie, wie bunt, persönlich und unkonventionell Abschied heute sein kann.

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