Neue Kinderbibliothek in Jarmen: Lesefutter für den Nachwuchs direkt gegenüber von Kita und Schule
In den vergangenen Tagen und Wochen wurde im Kulturzentrum von Jarmen mächtig gewirbelt, denn am Donnerstag, dem 5. März, soll dort eine neue Kinderbibliothek eröffnen. Diese eigenständige Einrichtung für junge Leseratten gilt mittlerweile als Seltenheit in Vorpommern, zumal sich die Zahl der öffentlichen Buchausleihen nach der Wende ohnehin stark verringerte.
Zentraler Standort mit idealer Nähe zu Bildungseinrichtungen
In Jarmen unterhält die Stadt bereits eine Stadtbibliothek im ehemaligen Bildungszentrum Technik an der Lindenstraße, die Leser aller Generationen bedient. Nun entsteht zusätzlich eine spezielle Bibliothek für Kinder und Jugendliche im städtischen Kulturzentrum an der Rosenstraße. Der große Vorteil: Das Kulturzentrum liegt buchstäblich auf der anderen Straßenseite gegenüber der Grundschule und des Kita-Gebäudes, in dem die älteste Kita-Gruppe und Hortkinder betreut werden.
Diese räumliche Nähe ermöglicht regelmäßige Besuche auch am Vormittag und frühen Nachmittag – zu Tageszeiten, zu denen die auswärtigen Schüler, von denen es viele in Jarmen gibt, ohnehin vor Ort sind. Sie müssen nicht extra von zu Hause anreisen, was den Zugang zum Lesestoff erheblich erleichtert.
Vom Corona-Testzentrum zur Bücheroase: Die Geschichte des Raumes
Das Gebäude an der Rosenstraße wurde Anfang der 1970er Jahre als sogenannte Schülergaststätte errichtet. Nach dem Ende der DDR und der HO, die für den Betrieb verantwortlich zeichnete, wurde die Immobilie zwischenzeitlich von der Treuhand an die Zeugen Jehovas als Versammlungsort verkauft. Erst 2013/14 kehrte das Objekt ins Eigentum der öffentlichen Hand zurück und dient seither als Kulturzentrum.
Der jetzt zur Kinderbibliothek umfunktionierte Raum hat eine bewegte Vergangenheit: Über Jahre dienten die beiden dem großen Saal vorgelagerten kleinen Räume als Ausweichquartier für den Schulhort, und in der Coronazeit wurde einer davon als Corona-Testzentrum für die Region genutzt. Genau dieses Zimmer verwandelt sich nun in ein Quartier für Tausende Bücher und Zeitschriften.
Initiative aus der Bürgerschaft: Vom abgelehnten Antrag zum erfolgreichen Projekt
Die Idee für die Kinderbibliothek wurde bereits vor zwei Jahren in der Stadtvertretung vorgestellt. Damals wollten Jarmenerinnen in einem Privathaus nahe dem Zentrum einen privat betreuten Anlaufpunkt vorwiegend für Kinder und Jugendliche schaffen, inklusive der Möglichkeit zum Lesen und Ausleihen von Literatur. Allerdings lehnten die Abgeordneten mit großer Mehrheit eine insbesondere finanzielle Beteiligung seitens der Kommune ab.
Die Frauen ließen ihr Projekt mit den Büchern jedoch nicht fallen und starteten einen neuen Anlauf – diesmal unter anderen Vorzeichen und an anderer Stelle, eben im Kulturzentrum. „Bei der Stadt sind wir mit dieser Idee offene Türen eingelaufen“, berichtete Ute Hacker, eine der Initiatorinnen. Die Kommune kommt ohnehin für die Betriebskosten des Kulturzentrums auf und stellte ein Budget für die Einrichtung des Raumes zur Verfügung.
Keine Konkurrenz, sondern Ergänzung zur Stadtbibliothek
„Wir sehen das nicht als Konkurrenz zur Bibliothek an der Lindenstraße“, stellte Ute Hacker, die zusammen mit ihrer Jugendfreundin Anne-Kathrin Becker gerade die Sortierung des Lesefutters vornimmt, klar. In der neuen Kinderbibliothek soll viel mehr passieren als nur das Ausleihen von Büchern.
Geplant sind Vorlese- und andere Aktionen für Kinder, egal ob aus der Kita oder der Schule. Dies könne die bestehende Stadtbibliothek, die überwiegend Bücher für Erwachsene beherbergt, in diesem Umfang gar nicht leisten – weder personell noch räumlich. Beim Einräumen und Aufbau der nötigen Regale erhielten die Damen tatkräftige Hilfe von mehreren Unterstützern und ihren Männern.
Bücher aus Spenden: Kein Geld für Neukäufe nötig
Was den Lesestoff selbst betrifft, sehen die Initiatorinnen keine Notwendigkeit zusätzlicher Ausgaben. „Bücher extra kaufen, wäre unsinnig“, sagen sie. Schließlich existierten jede Menge verfügbare Exemplare aus früheren Kindereinrichtungen und aus Privathand, die nun neue Nutzer suchen – egal, ob noch aus DDR-Verlagen oder westlichen beziehungsweise nach der Wiedervereinigung gedruckt.
Bei der „Besorgung“ setzten die Initiatorinnen auf ihre weitreichenden persönlichen Kontakte. Diese führten bereits zu privaten Spenden- und Sammelaktionen zugunsten der neuen Jarmener Kinderbibliothek. So gingen etwa ganze Bücherpakete aus Berlin, Hamburg und Leipzig in der Peenestadt ein.
Eröffnung mit Programm: Rundgang, Geschichten und Bastelstunde
Gegenwärtig läuft der Endspurt beim Einsortieren, denn am Donnerstag, dem 5. März, soll die Eröffnung stattfinden. Das Programm umfasst:
- Rundgänge durch die neue Bibliothek
- Geschichten vorlesen für die kleinen Besucher
- Eine kreative Bastelstunde
Die Öffnungszeiten zur Eröffnung sind von 9 Uhr bis 11 Uhr und von 15 Uhr bis 17 Uhr. Die Initiatorinnen hoffen auf regen Zuspruch aus der Bevölkerung und vor allem von den Kindern, für die diese Einrichtung geschaffen wurde.



