Parchims Schlaglochpisten: Umfassende Sanierung von Mühlenstraße und Fischerdamm geplant
Die Frage nach der Sanierung der Mühlenstraße und des Fischerdamms gehört in Parchim zu den häufigsten Anfragen an die Stadtverwaltung. Stadtsprecher Axel Schott erläutert, dass die Antwort darauf komplexer ausfällt, als viele Bürger vermuten. Denn es handelt sich nicht um eine simple Straßeninstandsetzung, sondern um ein großangelegtes Projekt mit mehreren Beteiligten und umfangreichen Arbeiten.
Planungsauftrag vergeben: Baustart am Moltkeplatz für 2027 vorgesehen
Ein erster konkreter Schritt wurde nun getan: Die Stadt Parchim hat am Freitag, den 27. März 2026, ein Ingenieurbüro mit den Planungsleistungen und der örtlichen Bauüberwachung beauftragt. Der Fokus liegt zunächst auf der Umgestaltung des Moltkeplatzes und dem angrenzenden Straßenabschnitt entlang der Parkanlage. Der Baubeginn ist für Anfang 2027 geplant und umfasst Straßenbauarbeiten, Beleuchtung, Leitungsverlegungen für Ampeln sowie Bepflanzungsmaßnahmen.
Wasserstraßenamt übernimmt: Wehr-Ersatz und ökologische Durchgängigkeit
Im Anschluss wechselt die Zuständigkeit zum Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Elbe, das das Wasserstraßen-Neubauamt (WNA) mit dem Ersatzneubau des Wehrs der Staustufe Parchim beauftragt hat. Dieses Vorhaben beinhaltet eine integrierte Fischaufstiegsanlage und folgt dem bundesweit vereinbarten Priorisierungskonzept zur Herstellung ökologischer Durchgängigkeit.
Wolf Laule vom WNA erklärt die geplanten Maßnahmen im Detail: „Der zukünftige Wasserabfluss soll auf die östliche Seite des Speichergebäudes in den alten Turbinenkanal verlegt werden. Dafür muss die derzeit verfüllte Brücke über den alten Gewässerarm neu errichtet werden. Im bisherigen Wehrarm entsteht ein trockener Durchlass, der Bibern und Ottern eine sichere Querung unterhalb der Straße ermöglicht.“
Zeitplan und Kosten: Baubeginn frühestens 2028, Millioneninvestitionen
Nach aktuellen Planungen ist ein Baustart für das Wehrprojekt im Jahr 2028 vorgesehen, wobei das WNA betont, dass die Dauer des Planfeststellungsverfahrens noch Unsicherheiten birgt. Aktuell befindet sich das Amt in der Endphase der Genehmigungsplanung. Mit einer Bauzeit von etwa zweieinhalb Jahren nach Baubeginn ist zu rechnen.
Die Kosten für die Erneuerung des Wehrs, der Fischaufstiegsanlage und des Otterdurchlasses trägt die Wasserstraßenverwaltung des Bundes und werden auf rund 12,5 Millionen Euro geschätzt. Hinzu kommen etwa 2,4 Millionen Euro anteilig für die neue Brücke, deren Kosten gemäß kreuzungsrechtlichen Regelungen aufgeteilt werden.
Straßenzustand und Abhängigkeiten: 10.000 Fahrzeuge täglich
Die Mühlenstraße und der Fischerdamm werden täglich von etwa 10.000 Fahrzeugen genutzt, ihr Zustand hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Ein Parchimer Bürger brachte es in einer Umfrage 2025 auf den Punkt: „Wenn man einfach nur Asphalt auf Kopfsteinpflaster kippt, ist klar, dass das nicht lange hält.“ Stadtsprecher Schott verweist auf den Bau der Kulturmühle, der durch schwere Baufahrzeuge zusätzliche Belastungen verursachte.
Die Stadt Parchim kann mit grundlegenden Straßenarbeiten erst beginnen, nachdem das WNA seine Arbeiten abgeschlossen hat, da sich die Höhe der neuen Straße unter anderem nach der Brückenhöhe am Wehr richtet. Die Sanierung wird nicht nur den Straßenbelag, sondern auch Versorgungsleitungen, Erdarbeiten und weitere Maßnahmen in mehreren Bauabschnitten umfassen.
Die Sanierung der Straße vom Moltkeplatz bis zur Schleuse wird die Stadt und ihre Autofahrer also noch über mehrere Jahre begleiten, bis die Schlaglochpisten endlich der Vergangenheit angehören.



