Der Bürgergarten in Röbel hat ein neues Dach bekommen. In der vergangenen Woche liefen noch Restarbeiten. Plötzlich ging alles schnell: Vier Monate nach dem ersten Spatenstich ist das Dach im Röbeler Bürgergarten fertig. 400 Quadratmeter groß und bis zu sechs Meter hoch überspannt die Konstruktion aus Stahl und Textilfasern die Freilichtbühne an der Binnenmüritz.
Von der Idee zur Umsetzung: Vier Jahre Vorarbeit
620.000 Euro hat die Spezialanfertigung samt Entwässerung, Stromanschluss, Beleuchtung und Nebenanlagen gekostet. Besucher der Veranstaltungen in Röbels kulturellem Zentrum müssen nun nicht mehr im Regen stehen und auch nicht in der Sonne braten. Karsten Thorun von der Stabsstelle für Kultur und Tourismus im Amt Röbel-Müritz ist happy, dass alles fertig ist, zumal die Vorarbeiten nicht ganz so zügig gingen wie die Bauarbeiten. „Vier Jahre von der Idee bis zur Umsetzung“, berichtet der Kultur-Chef.
Vergleichsobjekt auf dem Darß
Es sei gar nicht so einfach gewesen, ein Modell zu finden, welches sich in die Landschaft einfügt. Nicht zu groß und nicht zu klein durfte es sein, weder klobig noch fragil, robust und langlebig sowie pflege- und wartungsarm sollte es sein. Das Dach muss Stürmen trotzen, gut aussehen und doch bezahlbar bleiben. Bis nach Prerow auf dem Darß sei er zusammen mit Röbels inzwischen ehemaligem Bürgermeister Andreas Sprick (CDU) gefahren, berichtet Karsten Thorun, um sich ein vergleichbares Objekt im dortigen Kurpark anzuschauen und Erfahrungswerte anzuhören. 270.000 Euro Fördermittel seien einzuwerben gewesen, die Stadtvertreter hätten überzeugt werden müssen, eine Baugrunduntersuchung sei vorgenommen worden. Alles Für und Wider, einschließlich einer möglichen Zerstörung des Seeblicks, sei diskutiert und abgewogen worden.
Textile Architektur aus dem Bodenseegebiet
Schließlich sei die Entscheidung für die „textile Architektur“ des Ingenieurbüros Kiefer am Bodensee gefallen. „Singapur, Dubai, Röbel“, zählt Karsten Thorun Städte auf, in denen sich ähnelnde Modelle ihren Dienst tun. „So etwas steht sonst wirklich in Metropolen, das ist schon beeindruckend.“ Eine exakt baugleiche Variante gebe es aber kein zweites Mal. „Das wurde extra für Röbel entworfen, in die Form unseres Gartens eingefügt. Das ist einzigartig, eine Maßanfertigung. Der Architekt hatte sich sogar eineinhalb Wochen persönlich hier in Röbel eingemietet.“
Seeblick unverbaut
Wichtig sei allen gewesen, dass die Sicht aufs Wasser nicht verbaut wird. Das sei gelungen. Auch der Blick in die Gegenrichtung sei weiterhin ein Augenschmaus, das Haus des Gastes mit den angrenzenden Gebäuden in der historischen Altstadt sei immer noch gut zu sehen. Das Stahlgestell mit acht im Boden verankerten und einbetonierten Pfeilern wiege 15 Tonnen. Die Membran obendrauf sei mit 600 Kilogramm vergleichsweise leicht. Als unscheinbares Bündel, das auf eine Europalette passte, sei sie geliefert worden. Erst beim Auseinanderfalten habe sie ihre ganze Pracht offenbart – und auch ihre Tücken. 20 freiwillige Helfer hätten mit angepackt, um die Spezialplane richtig herum an ihren Platz zu hieven.
Feuerwehrleute können Membran reinigen
Seine helle Farbe werde das Material – Polytetrafluorethylen, ein widerstandsfähiger Kunststoff – trotz UV-Strahlen und Niederschlag nicht nennenswert verändern, „vielleicht ein kleines bisschen nachdunkeln“. Moose und Flechten würden sich auf dem Gewebe eher nicht ansiedeln. Sollte sich doch etwas Grünspan bilden, habe er schon eine Idee. „Dann verlegen wir eine Feuerwehrübung hier her – Löschangriff nass mit Wasser aus dem See.“ Elf Bauunternehmen, bis auf die Stahlbauer alle aus der Region, seien am Bau beteiligt gewesen. In der vergangenen Woche wurden noch Restarbeiten an der Elektrik und der Regenrinne erledigt. Letzte Feinheiten an Wegen und Begrünung folgen in dieser Woche, ebenso digital und analog steuerbare Beleuchtung mit wechselbaren Farben. Feierlich eingeweiht und den Röbelern vorgestellt werde alles am 1. Mai. Ihm selbst gefalle das Ergebnis ausnehmend gut. Was seine Mitmenschen davon halten, werde er am Freitag erfahren.
Zukunftsfähig für die nächsten 25 Jahre
Rund 8000 Besucher würden Jahr für Jahr im Bürgergarten gezählt, bis zu 180 Veranstaltungen jährlich auf der Freilichtbühne angeboten. „In der Saison versuchen wir, sie jedes Wochenende zu bespielen.“ Hinzu kämen Hochzeiten. Das alles müsse nun nicht mehr unter sengender Sonne stattfinden, die in dem einem Amphitheater ähnelnden Rondell bisweilen unerträglich heiß gewesen sei. „Wir freuen uns sehr über das Dach. Dadurch wird sich der Bürgergarten noch mehr als Veranstaltungsort etablieren. Für die nächsten 25 Jahre sind wir zukunftsfähig aufgestellt.“ Die traditionelle Saisoneröffnung mit Dacheinweihung wird am Freitag, dem 1. Mai, von 11 bis 17 Uhr im Bürgergarten gefeiert. Musik machen die Blaskapelle Röbel/Müritz 1983 und die Band Nimmergut.



