Rostocker Gipshäuser im Fokus: Städtebauliche Untersuchung im Tiroler Viertel löst Mieter-Sorgen aus
Im Rostocker Stadtteil Reutershagen sorgt eine angekündigte städtebauliche Untersuchung für erhebliche Unruhe unter den Bewohnern. Die städtische Wohnungsgesellschaft Wiro hat für das Tiroler Viertel eine umfassende Quartiersanalyse angekündigt, die ab April durchgeführt werden soll. Betroffen sind insgesamt 324 Wohnungen in 39 Häusern zwischen Bregenzer und Tiroler Straße.
Historische Gipshäuser aus den 1950er Jahren
Besondere Aufmerksamkeit gilt den sogenannten „Gipshäusern“, die in den 1950er Jahren als Übergangslösung errichtet wurden. Aufgrund von Materialknappheit wurde damals statt Zement Anhydrit (Gips) verwendet – daher die charakteristische Bezeichnung. Ein älterer Mieter, der seit Jahrzehnten in einem dieser Gebäude wohnt, äußerte besorgt: „Da habe ich mich schon gefragt: Zerbröselt jetzt mein Haus?“
Wiro-Sprecher Carsten Klehn kann jedoch zunächst Entwarnung geben: „Die bewohnten Wohnungen weisen keine akuten baulichen Mängel auf.“ Allerdings prognostiziert das Unternehmen, dass in den kommenden Jahren erheblicher Sanierungsbedarf entstehen werde. Eine umfassende Modernisierung auf aktuelle energetische, technische und wohnliche Standards sei aufgrund der speziellen Beschaffenheit der Häuser nur eingeschränkt möglich und mit unverhältnismäßig hohem Aufwand verbunden.
Umfassende Bestandsaufnahme für zukünftige Planungen
Die Untersuchung umfasst Gebäude in der Grenz-, Kärntner-, Kufsteiner-, Klagenfurter- und Tiroler Straße sowie einzelne Objekte in der Ulrich-von-Hutten-Straße. Geprüft werden unter anderem:
- Der bauliche Zustand der Gebäude
- Die Energieeffizienz und technische Infrastruktur
- Die ÖPNV-Anbindung und Verkehrssituation
- Die soziale Struktur der Bewohnerschaft
- Die Qualität der Grünflächen und Freiräume
Ziel ist es, eine fachliche Grundlage für weitere Entscheidungen zu schaffen. Dabei werden sowohl Sanierungsoptionen als auch Rückbau- und Neubaumöglichkeiten geprüft. Erste Ergebnisse werden nach den Sommerferien erwartet.
Mieterinformation und begleitende Maßnahmen
Für die aktuellen Mieter ändert sich zunächst nichts Grundlegendes: Reparaturen werden weiterhin ausgeführt und das Wohnumfeld gepflegt. Allerdings werden leerstehende und leer werdende Wohnungen vorerst nicht neu vermietet – aktuell sind 14 der 324 Wohnungen unbesetzt.
Wiro-Sprecher Klehn betont: „Wir verstehen sehr gut, dass die Mieterinnen und Mieter viele Fragen haben. Deshalb bieten wir persönliche Gespräche direkt im Quartier an.“ Mehr als 50 Mieter haben bereits Termine vereinbart. Das Unternehmen versichert, die Bewohner „verantwortungsvoll begleiten“ zu wollen, wie es in vergangenen Projekten bereits praktiziert wurde.
Ein Leitgedanke bleibt dabei stets präsent: „Das Tiroler Viertel ist und bleibt ein beliebtes Wohngebiet.“ Die Untersuchung soll klären, wie dieses Quartier zukunftsfähig entwickelt werden kann, ohne die gewachsene Struktur und Anbindung zu gefährden.



