Skandal um Spitzel-Akte: Münchner Surfer empört über heimliche Überwachung am Eisbach
Die Münchner Surfercommunity reagiert mit Entsetzen auf die Enthüllung einer umfangreichen Spitzel-Akte, die über vier Monate hinweg akribisch alle Aktivitäten an der legendären Eisbachwelle dokumentierte. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" wurde im Referat für Klima- und Umweltschutz eine 450-seitige Akte angelegt, die detaillierte Beobachtungen von Surfern, Zuschauern, Hundebesitzern und Familien mit Kindern enthält.
Vier Monate intensive Überwachung
Die Überwachung begann Ende Juni 2025, nachdem Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) die Welle nach einer vorübergehenden Sperrung wieder freigegeben hatte. Private Sicherheitskräfte waren bis zum Beginn der Bachauskehr am 17. Oktober im täglichen Zwei-Schicht-Einsatz aktiv. Überraschenderweise setzte sich die Beobachtung sogar noch von 30. Oktober bis 3. November fort, obwohl die Welle nach der Reinigung des Bachbetts bereits zerstört und das Surfen unmöglich war.
"Die Bespitzelung von Bürgern ist ein Skandal", erklärt der Surf Club München in einer offiziellen Presseerklärung. Präsident Martin Grün bestätigt gegenüber der AZ: "Dass wir im Sommer an der Welle beobachtet worden sind, das wussten wir. Es waren regelmäßig zwei schwarz gekleidete private Sicherheitsleute dort." Doch das Ausmaß der Dokumentation habe die Community schockiert.
Akribische Detailaufzeichnungen
Die Aufzeichnungen zeigen eine bemerkenswerte Detailgenauigkeit. Für den 4. Juli allein existieren neun Einträge, die mit 24 Fotos angereichert wurden. Typische Notizen lauteten: "11.22 Uhr: Ein Surfbrett liegt im Wasser. Besitzer unbekannt" oder "12.42 Uhr: Ein Ast lag im Wasser. Er wurde durch Sicherheitsmitarbeiter entfernt."
Besonders brisant: Die Akte dokumentiert sechs Surferunfälle mit Verletzungen zwischen Mitte Juli und Mitte September. Ein Eintrag vom 13. Juli vermerkt: "14.15 Uhr ist ein Surfer beim Surfen der Welle ins Wasser gesprungen und verletzte sich am Kopf. Die Person blutete stark am Kopf."
Reaktionen und Auswirkungen
Martin Grün äußert sich verärgert über die mutmaßliche Wirkung dieser Aufzeichnungen auf die Stadtverwaltung: "Natürlich haut man sich beim Sport auch mal an. Ich wüsste aber nicht, dass es nach dem tödlichen Unfall der Surferin im letzten April einen dramatischen Vorfall an der Eisbachwelle gegeben hätte."
Die Stadt hatte die Sicherheitskräfte ursprünglich eingesetzt, um die Einhaltung verschärfter Surfregeln zu überwachen. Dies geschah nach einem tragischen Unfall im April 2025, bei dem eine Surferin an der Welle verunglückte und später verstarb.
Zukunft der Überwachung ungewiss
Laut Grün soll die Überwachung in Zukunft nicht mehr stattfinden, falls die Welle wieder funktionsfähig gemacht wird: "Das war eine Auskunft aus dem OB-Büro. Allerdings noch unter OB Dieter Reiter." Der neue Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) hat sich zu der "Akte Eisbach" bisher nicht geäußert und befindet sich laut seinem Sprecher im Osterurlaub.
Die Eisbachwelle selbst ist seit der Bachauskehr im vergangenen Oktober zerstört. Nur kurzzeitig war sie letzten Donnerstag surfbar, nachdem heimlich ein Gitter im Wasser versenkt worden war – dieses wurde jedoch bereits wieder entfernt.



