Bernburg/MZ. - Eigentlich wollten sie am Dienstag nur mal schauen, wie die Zeitung tagtäglich entsteht – und plötzlich waren Christa und Frank Reimann mittendrin. Sie nutzten die Gelegenheit beim Tag der offenen Tür, den die MZ in Bernburg anlässlich des Tages des Lokaljournalismus veranstaltete, um die Redaktion am Saalplatz zu besuchen und mit den Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen.
Von der Idee zum fertigen Text
Die Besucher schauten Producer Robin Kraska über die Schulter, der die gedruckte Ausgabe der MZ für den Mittwoch vorbereitete. Während die Artikel zunächst und meist sehr schnell online erscheinen, kann es einige Tage dauern, bis sie in der Print-Ausgabe erscheinen – je nach Aktualität des Themas.
Tina Edler, seit Anfang dieses Jahres Themenmanagerin für den Salzland-Desk und somit für die Redaktionen in Bernburg, Aschersleben, Staßfurt und Schönebeck zuständig, beantwortete Fragen. Sie erklärte, dass die Themen meistens am Tag zuvor geplant werden. „Es kann sich aber am nächsten Tag wieder ändern.“ Bis zum Andruck am Abend kann die Printausgabe immer wieder aktualisiert werden, je nachdem, ob ein unvorhergesehenes Ereignis dazwischenkommt.
Online ist man als Zeitung noch flexibler und kann am späten Abend oder frühen Morgen auf sogenannte Blaulicht-Geschichten reagieren und die Leser mit einer ersten Meldung versorgen.
Fehler und Korrekturen
Dass hin und wieder auch Fehler passieren, wurde angesprochen. „Das ärgert uns selbst am meisten“, sagte Tina Edler. Aber es lasse sich nicht völlig vermeiden, auch bei größter Sorgfalt – etwa, wenn die Reporter sich in Sachverhalte zum allerersten Mal einarbeiten. In der Onlinezeitung sind solche Fehler schnell behoben, in der Printausgabe etwas später, etwa durch einen Korrekturkasten.
Generell sei der Beruf sehr spannend, weil jeder Tag anders sei und „wir oft einen Blick hinter die Kulissen werfen dürfen, die ansonsten für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind“.
Leserwünsche und -gewohnheiten
Christa und Frank Reimann zeigten sich mit der Mischung der Themen zufrieden: Während Christa Reimann als erstes den Lokalteil liest, bevorzugt ihr Mann den Sportteil. Frank Reimann schaut sich auch erst die Überschriften an und entscheidet dann, ob ein Artikel lesenswert ist. Die Rätsel mögen beide gern. Nur einen Wunsch hat Christa Reimann: „Der Kindermund könnte öfter vorkommen.“ Etwas mehr Humoriges wäre angesichts der ernsten Weltlage hin und wieder schön.
Auch Beate und Dieter Langer sind seit vielen Jahren treue Zeitungsleser und nutzten den Tag der offenen Tür für einen Besuch. Am liebsten lesen sie die gedruckte Ausgabe. „Wir machen so viel digital. Da wollen wir nicht auch noch die Zeitung digital lesen“, sagt Dieter Langer. Das Blättern in den Zeitungsseiten sei etwas anderes. Besonders interessieren sie sich für Bernburger Themen, aber auch für andere Themen aus dem Salzlandkreis. Dieter Langer ist gespannt auf die Wochenend-Ausgabe, in der sich oft eine ganz andere Themenvielfalt zeigt, etwa zu Geschichte oder Reisen.
Rolle von KI in der Lokalredaktion
Beate Langer wollte wissen, ob Texte von freien Mitarbeitern oder Informationen von Vereinen von der Redaktion bearbeitet werden (Antwort: mal mehr, mal weniger intensiv) und wie die Reporter ihre Themen finden. Es gebe ganz unterschiedliche Wege, erklärte Tina Edler. Manchmal bekomme die Redaktion Einladungen – per Post oder zunehmend per E-Mail – oder Anrufe von Leuten mit einem Anliegen. Oder die Reporter stoßen selbst auf ein Thema, wenn sie unterwegs sind.
Sowohl Reimanns als auch Langers erkundigten sich nach der Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) im Redaktionsalltag. Hin und wieder werde diese zu Themen befragt, sagte Tina Edler. Ansonsten stamme jeder Text von den einzelnen Reportern: „Die Verwendung der KI ist hier verboten“, machte die Themenmanagerin klar.



