Lesermeinung: Er hasst den Tag, an dem er die Steuererklärung macht
Zum Beitrag „Weil er Bekannten geholfen hat, wird ein Finanzbeamter nun bestraft“ erreichte den Nordkurier eine Lesermeinung. Heike Voet aus Neustrelitz schreibt:
Neubrandenburg/Neustrelitz
Der Artikel hat mich sehr bewegt. Nicht etwa, weil ich den Mann kenne oder er mir gar geholfen hätte. Nein, es hat folgenden Grund: Mein Mann ist Belgier, hier mit mir in Deutschland lebend, aber steuerpflichtig sowohl in Belgien als auch Deutschland.
In Belgien helfen die Finanzbeamten
Wenn er Fragen zu seiner belgischen Steuererklärung hat, ruft er in Brüssel im zuständigen Finanzamt an und ihm wird geholfen. Das geht so weit, dass er Hinweise bekommt, was er sinnvollerweise ausfüllen muss, um Steuern zu sparen. Er braucht keinen Steuerberater.
Ganz anders in Deutschland. Seit Jahren hasst er den Tag, wenn er die Steuererklärung über Elster macht, weil selbst mir als deutscher Staatsbürgerin die Fragen und Angaben oft total unverständlich sind. Er bedauert zutiefst, einmal mit einem kleinen Honorarjob hier angefangen zu haben, weil das eine jahrelange Pflicht zur Steuererklärung nach sich zog, obwohl er gar keinen Nebenjob mehr hat. Und die Anfangsjahre, als er noch einen Steuerberater in Deutschland um Hilfe bat, haben ihn fast das Doppelte der Einnahmen aus dem Honorarjob gekostet.
Ein Steuersystem, das seinen Bürgern misstraut?
Die Frage ist doch, was läuft hier falsch? Der hilfreiche Finanzbeamte oder ein Steuersystem, das immer davon ausgeht, von den eigenen Staatsbürgern – im Artikel war von älteren Bürgern und Rentnern die Rede – betrogen zu werden?
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