Online-Shopping weltweit: Warum Einkäufe außerhalb der EU teuer werden können
Online Waren zu bestellen ist einfach und bequem. Doch Vorsicht ist geboten, wenn der Anbieter in Nicht-EU-Staaten wie China oder den USA sitzt. Denn dann kann es schnell teuer werden und unerwartete Fallstricke geben.
Erster Haken: Verantwortung für die Einfuhr
Gelangt ein Paket aus einem Nicht-EU-Land über die Grenzen in die EU, kann der Kunde oder die Kundin für die Einfuhr verantwortlich und haftbar gemacht werden, erklärt Birgit Janik vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland. Konkret bedeutet das: Stellt der Zoll fest, dass ein Produkt gefälscht ist, behält er die Ware ein. Der private Käufer hat die Ware möglicherweise schon bezahlt, erhält sie aber nicht – ein finanzieller Verlust. Eine Strafe müssen private Käufer zwar nicht fürchten, doch das Geld ist verloren.
Zweiter Haken: Gebühren und Abgaben fallen an
Für Einkäufe aus allen Nicht-EU-Ländern fallen Gebühren an. Liegt der Sachwert der Sendung bis 150 Euro, entfällt derzeit noch der Zoll. Ab dem 1. November 2026 wird jedoch eine Gebühr für solche Sendungen eingeführt, die die EU-Kommission noch festlegen muss. Zusätzlich wird es vom 1. Juli 2026 an für jedes Paket aus einem Nicht-EU-Land mit einem Warenwert bis 150 Euro eine Abgabe in Höhe von drei Euro pro bestellter Warenkategorie geben. Diese Maßnahme soll gelten, bis die EU alle Sendungen kontrollieren und bearbeiten kann. Ab 2028 werden dann alle diese Sendungen zollpflichtig – und zwar vom ersten Euro an.
Maßnahmen gegen Billigimporte
Mit diesem Maßnahmenpaket sollen vor allem Billigimporte eingedämmt werden. Es geht darum, unfaire Wettbewerbsbedingungen zu beenden und die Paketflut zu begrenzen, erläutert Simone Bueb von der Verbraucherzentrale Bayern. Billigware außerhalb der EU einzukaufen, dürfte sich für Verbraucherinnen und Verbraucher dann nicht mehr lohnen.
Zölle und Steuern bei höheren Werten
Beträgt der Sachwert der Lieferung über 150 Euro, sind sowohl Zölle als auch Einfuhrumsatzsteuer und Verbrauchssteuer zu begleichen. Die Einfuhrumsatzsteuer erhebt der Zoll erst, wenn sie bei mindestens einem Euro liegt. Hinzu kommt unter Umständen noch die sogenannte Auslagenpauschale. Viele Paketdienste übernehmen bei steuerpflichtigen Sendungen die Abwicklung mit der Zollbehörde, wenn dies der Absender nicht schon erledigt hat. Dafür berechnen die Paketdienste zumeist eine Auslagen- oder Servicepauschale in Höhe von etwa 7,50 Euro.
Probleme bei Gewährleistung und Rückgabe
Gewährleistungs- und Rückgaberechte unterliegen bei Produkten, die man bei Anbietern außerhalb der EU ordert, nicht deutschem Recht, sagt Birgit Janik. Weist die Ware einen Mangel auf, könnten Kundinnen und Kunden schlechte Karten haben. Oft ist eine Rückgabe nur aus bestimmten Gründen möglich, und hohe Portokosten müssen vom Kunden selbst getragen werden.
Dropshipping birgt zusätzliche Kosten
Manche Online-Händler bieten Waren aus den USA und anderen Ländern außerhalb der EU über Dropshipping an. Dabei nimmt ein Online-Shop nur die Bestellung entgegen und lässt die Ware direkt vom Hersteller oder Großhändler an die Bestellenden verschicken. Hierbei werden Bestellenden möglicherweise Lagerkosten aufgeschlagen, und Zölle fallen ebenfalls an. Verbraucher sollten sich daher vor einer Bestellung genau informieren, welche Kosten in welcher Höhe auf sie zukommen.
Wichtige Hinweise für Verbraucher
Wer Waren direkt bei Händlern bestellt, die nicht in der EU registriert sind, sollte darauf achten, dass bereits im Angebot alle notwendigen Angaben zu Zollgebühren zu finden sind. Wichtig ist auch eine CE-Kennzeichnung bei Elektronikartikeln, betont Janik. Denn alle in die EU eingeführten Produkte müssen den europäischen Standards entsprechen – vor allem in Sachen Produktsicherheit und Markenschutz. Mit dem CE-Zeichen erklärt die Herstellerfirma, dass das Produkt alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt.
Qualität und Nachhaltigkeit
Klar sei aber, dass man die beste Qualität bei sehr niedrigen Preisen nicht erwarten könne, sagt Janik. Minderwertige Qualität geht zumeist mit kurzer Haltbarkeit einher. Das bedeutet: Nach kurzer Zeit muss man sich wieder ein neues Produkt kaufen und das Alte entsorgen. Nachhaltiges Handeln sieht anders aus, so Janik weiter. Verbraucher sollten die Höhe der Zölle und Steuern online über den Abgabenrechner der Generalzolldirektion ermitteln, um böse Überraschungen zu vermeiden.



