Kreisschiri-Chef Dietrich: „Wir stehen erst am Anfang“ – Engagement im Vorpommern-Fußball
Für Jonas Dietrich ist Fußball weit mehr als nur ein Spiel. Der 27-Jährige aus Greifswald steht als Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im Fußballverband Vorpommern-Greifswald mitten in einer intensiven Phase des Umbruchs. Was einst mit einer pragmatischen Entscheidung im kleinen vorpommerschen Dorf Alt Tellin begann, entwickelte sich für ihn zu einer tiefen Leidenschaft – sowohl auf dem Platz als auch in der Organisation dahinter.
Vom Dorfjungen zum Stadtmenschen: Ein Weg voller Verantwortung
Jonas Dietrich wuchs in der Gemeinde Alt Tellin mit etwa 400 Einwohnern auf. „Wir waren damals vielleicht acht Jugendliche. Da hat man die klassische Wahl: Feuerwehr oder Fußball“, erinnert er sich. Seine Entscheidung fiel auf den Heimatverein, zunächst als Spieler, später als Funktionär. Als der Verein einen Schiedsrichter benötigte, zögerte er nicht lange. „Es ist eine Entscheidung, die ich nie bereut habe“, betont Dietrich.
Schnell merkte er, dass im Verband viel über, aber wenig mit den Vereinen gesprochen wurde. „Ich war überzeugt, dass das besser geht“, sagt er. Als Staffelleiter im Spielausschuss etablierte er eine Politik auf Augenhöhe, stieß jedoch auf Widerstand alter Strukturen. 2021 kandidierte er für den Verbandsvorsitz und verlor knapp – ein Erfolg in seinen Augen.
Rückzug und Rückkehr: Eine Geschichte der Leidenschaft
Nach der Wahl zog sich Dietrich zunächst zurück. „Es kam zu persönlichen Konflikten. Ich hatte das Gefühl, dass mir und meinem Umfeld Steine in den Weg gelegt werden“, erklärt er. Doch die Leidenschaft für den Fußball ließ ihn nicht los. Als sein Vorgänger aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste und ihn als Nachfolger vorschlug, kehrte Dietrich in den Verband zurück. „Im Gespräch wurde mir klar, in welchem Zustand der Verband war. Da ist meine Leidenschaft wieder aufgeflammt“.
Der Verband hatte in den Vorjahren viele Strukturen und Personen verloren, was beinahe zum Stillstand führte. „Das spüren die Vereine“, so Dietrich. Gleichzeitig brachen alte, verkrustete Strukturen auf. Heute ist der Verband handlungsfähig, doch die Gewinnung ehrenamtlicher Mitarbeiter bleibt eine Herausforderung.
Ziele und Visionen: Weniger Formalitäten, mehr Fußball
Für die nächsten drei Jahre hat Dietrich klare Ziele:
- Den Verband personell stärken
- Strukturen vereinfachen
- Die Vereine stärker einbinden
Seine Philosophie ist einfach: „Weniger Formalitäten, mehr Fokus auf das, was den Sport ausmacht“. Die Vereine wollen vor allem Fußball spielen, nicht ständig von Problemen im Verband hören. Vertrauen aufzubauen, dauere lange, aber erste Entscheidungen werden positiv aufgenommen.
Persönliche Höhepunkte und Wünsche für die Zukunft
Als Schiedsrichter sind Dietrich zwei Erlebnisse besonders in Erinnerung geblieben:
- Ein Austauschspiel in Polen, bei dem es um den Aufstieg in die 3. Liga ging
- Ein Einsatz im Landespokal-Viertelfinale an der Seite des ehemaligen FIFA-Assistenten Markus Häcker
- Wunschvorstellung: Ehrenamtliches Engagement stärker anerkennen, beispielsweise durch Anrechnung bei der Rente
- Realistische Idee: Die Kreisklassen wiederbeleben und flexibel gestalten, mit neuen Spielformen für Vereine
Engagement über den Fußball hinaus
Dietrich engagiert sich auch politisch als stellvertretender Vorsitzender der Greifswalder SPD. „Fußball und Politik schließen sich nicht gegenseitig aus, sind allerdings beide sehr zeitraubend“, sagt er. Sein Antrieb: „Ehrenamt hält unsere Gesellschaft zusammen. Ich möchte dazu beitragen, dass gerade in den kleinen Dörfern der Ball weiter rollt und Gemeinschaft erhalten bleibt“.
Sein Rat an potenzielle Engagierte: „Einfach machen. Im schlimmsten Fall merkt man, dass es nichts für einen ist. Im besten Fall bleibt man viele Jahre dabei“. Für Jonas Dietrich steht fest: Der Weg ist noch lang, aber die Leidenschaft für den Fußball in Vorpommern treibt ihn weiter an.



