Neue Stolpersteine in Prenzlau: Erinnerung an Gustav Mayer und weitere jüdische Schicksale
Stolpersteine in Prenzlau erinnern an jüdische Schicksale

Stolpersteine in Prenzlau: Mahnmale gegen das Vergessen

In der Uckermark-Stadt Prenzlau ist in dieser Woche ein neuer Stolperstein verlegt worden – der mittlerweile 22. in der Stadt. Der goldene Gedenkstein erinnert an Gustav Mayer, einen 1871 in Prenzlau geborenen jüdischen Historiker, der zu einem bedeutenden Gelehrten der Arbeiterbewegung wurde. Verlegt wurde der Stein in der Prenzlauer Steinstraße, unweit des ehemaligen Wohn- und Geschäftshauses der Familie Mayer.

Das Leben und Wirken von Gustav Mayer

Gustav Mayer wuchs als ältester Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie auf, deren Geschäft in der Steinstraße für unternehmerischen Erfolg und die Verwurzelung jüdischer Bürger im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben Prenzlaus stand. Nach seinem Studium der Nationalökonomie wandte er sich früh sozialen Fragen zu und verfasste grundlegende Werke, darunter die erste bedeutende Biografie über Friedrich Engels. 1922 wurde er Professor an der Berliner Universität.

Jürgen Theil, Vorsitzender des Uckermärkischen Geschichtsvereins, betonte bei der Verlegung: „Mayer glaubte an eine offene Gesellschaft, in der Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion selbstverständlich zusammenleben können.“ In seinen Erinnerungen schrieb Mayer, dass er unter den „nüchternen Uckermärkern“ seiner Heimat nie religiösen Hass gespürt habe.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Das jähe Ende einer Karriere

Doch diese Hoffnung wurde zerstört. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 verlor Mayer als Jude seine Stellung an der Universität. Seine Arbeit wurde behindert, seine Zukunft in Deutschland zerstört. 1937 musste er seine Heimat verlassen und ins Exil nach London gehen, wo er seine wissenschaftliche Arbeit fortsetzte. 1948 starb Gustav Mayer im Exil.

Der Stolperstein, so Theil, erinnere nicht nur an das persönliche Schicksal von Gustav Mayer, sondern auch daran, „dass Deutschland einen bedeutenden Gelehrten verlor – und dass Ausgrenzung, Verfolgung und Hass Menschen aus ihrer Heimat vertreiben konnten.“ Mit der Verlegung werde Mayer symbolisch nach Prenzlau zurückgeholt und sein Platz in der Erinnerung der Stadt zurückgegeben.

Weitere Stolpersteine sind geplant

Rathaussprecherin Alexandra Martinot teilte mit, dass im nächsten Jahr weitere Stolpersteine in Prenzlau hinzukommen sollen. Geplant sind Gedenksteine für:

  • Alexander und Frieda Sinasohn: Das Ehepaar wurde ins Warschauer Ghetto deportiert, wo sie 1943 umkamen. Ihr einziger Sohn Hans konnte durch die Kindertransporte gerettet werden und überlebte in den USA. Sein Sohn Sam wird mit seiner Familie an der Verlegung teilnehmen.
  • Julius Liebrecht: Der jüdische Arzt nahm sich 1937 aufgrund der Repressalien der Nationalsozialisten das Leben. Seine Frau Paula wurde nach Auschwitz deportiert und ermordet. Ihr Sohn Max überlebte durch einen Kindertransport nach Palästina.

Bürgermeister Marek Wöller-Beetz, der bei der Verlegung des Steins für Gustav Mayer anwesend war, unterstrich die Bedeutung dieser Erinnerungsarbeit. Zahlreiche Zuschauer fanden sich zum Akt des Einsetzens ein, der von einer Präsentation von Zeitzeugenobjekten wie einem Kleiderbügel begleitet wurde.

Die Stolpersteine in Prenzlau sind mehr als nur Gedenksteine – sie sind Mahnmale, die an individuelle Schicksale erinnern und dazu auffordern, Verantwortung für eine offene Gesellschaft zu tragen, in der Ausgrenzung und Antisemitismus keinen Platz haben.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration