Zugunglück in Córdoba: Überwachungsvideos zeigen den Moment der Entgleisung
Nach dem verheerenden Zugunglück von Adamuz in der Provinz Córdoba, bei dem im Januar 46 Menschen ums Leben kamen, hat die spanische Eisenbahn-Unfallkommission CIAF erstmals Überwachungsaufnahmen aus dem Inneren der betroffenen Waggons veröffentlicht. Die Bilder zeigen den genauen Moment, in dem der Iryo-Zug 6189 entgleiste. Spaniens Verkehrsminister hatte den Unfall zuvor als „extrem ungewöhnlich“ bezeichnet.
Überwachungskameras dokumentieren die Katastrophe
Die spanische Tageszeitung ABC veröffentlichte die Aufnahmen, die von vier Kameras in jedem Waggon des Iryo-Zugs stammen. Der Zug war am Abend des 18. Januar 2026 auf dem Weg von Málaga nach Madrid. Auf den Bildern ist zu sehen, wie Passagiere auf der linken Seite plötzlich nach rechts aus ihren Sitzen geschleudert werden. Andere Fahrgäste versuchen, sich festzuhalten, während Gepäckstücke aus den Ablagefächern fallen. Die Aufnahmen sind für die Ermittler von entscheidender Bedeutung, um den genauen Ablauf des Unglücks zu rekonstruieren.
Schienenbruch als Ursache identifiziert
Die unabhängige Kommission zur Untersuchung von Eisenbahnunfällen in Spanien (CIAF) hat vorläufig festgestellt, dass ein Schienenbruch die Tragödie verursacht hat. Ein Defekt am Hochgeschwindigkeitszug selbst wird ausgeschlossen. Die Analyse der Daten ergab laut ABC „keine Hinweise auf Anomalien an einem der beiden beteiligten Züge vor 19:43:33 Uhr“. Zu diesem Zeitpunkt passierte Wagen 6 des Iryo-Zugs das gebrochene Gleisstück bei Kilometer 318,681. Fotos zeigen Ermittler der Guardia Civil, die kurz nach dem Unglück Spuren an der Bruchstelle sichern.
Chronologie des Unglücks
Die CIAF hat den genauen zeitlichen Ablauf rekonstruiert: Um 19:43:38 Uhr löste eine fehlende Rückmeldung einer Weiche eine automatische Notbremsung beim Alvia-Zug 2384 (Madrid–Huelva) aus, der mit 216 km/h unterwegs war. Nur eine Sekunde später leitete der Lokführer des Iryo-Zugs bei Tempo 182 eine Notbremsung ein. Etwa sechs Sekunden später, um 19:43:44 Uhr, prallten die Züge frontal zusammen. Die ersten Waggons des Alvia-Zugs stürzten einen Abhang hinunter, Leichen wurden Hunderte Meter weit entfernt gefunden. 46 Menschen starben, über hundert wurden verletzt.
Offene Fragen zur Gleiserneuerung
Unklar bleibt weiterhin, wie es zu dem Schienenbruch auf dem erst 2025 für 700 Millionen Euro erneuerten Streckenabschnitt kommen konnte. Die Ermittlungen der CIAF dauern an. Spanien verfügt über das größte Hochgeschwindigkeitsbahnnetz Europas, die Züge gelten als sehr sicher. Das Unglück von Adamuz hat jedoch tiefe Bestürzung ausgelöst und wirft Fragen zur Wartung der Infrastruktur auf.



