B96-Ausbau zwischen Neubrandenburg und Neustrelitz: Neue Pläne mit Fokus auf Umwelt und Anwohner
Das Landesamt für Straßenbau in Mecklenburg-Vorpommern hat am Dienstagabend im Gemeindezentrum Blumenholz bei Neustrelitz überarbeitete Pläne für den Ausbau der Bundesstraße 96 vorgestellt. Projektplaner um Daniela Kunze und Oliver Rettig erläuterten dabei eine deutlich umweltschonendere Variante, die auf den Bau einer parallelen Neustrecke verzichtet und stattdessen auf innovative Verkehrslösungen setzt.
Parallele Neustrecke vom Tisch – Bestehende Trasse wird erweitert
Die ursprüngliche Idee, eine neue Straße parallel zur bestehenden B96 zu errichten, wurde komplett verworfen. Stattdessen konzentrieren sich die Planungen nun auf den Ausbau der vorhandenen Strecke. Ortsumfahrungen sind für Weisdin und Usadel vorgesehen, während angrenzende Orte – mit Ausnahme von Tollenseheim – eine Zufahrt zur Bundesstraße erhalten sollen. Auffallend ist, dass an diesen Ausfahrten keine Ampeln installiert werden, dennoch soll eine Fahrt in beide Richtungen möglich sein.
Oliver Rettig erklärte das Konzept der wechselnden Überholspuren: „Die Straße wird abwechselnd in Richtung Neustrelitz und Neubrandenburg zweispurig ausgebaut. Genau an den Übergangspunkten dieser Wechsel sind die Zufahrten für die Anliegergemeinden platziert.“ Dies ermöglicht Autofahrern, sowohl in die eine als auch in die andere Richtung eine Überholspur zu nutzen, ohne dass zusätzliche Flächen versiegelt werden müssen.
Naturschutzmaßnahmen und positive Reaktionen
Die ursprünglichen Pläne hätten erhebliche Eingriffe in die Natur bedeutet, was zu Kritik vom Aktionsbündnis „B 96-Ausbau: So nicht!“ führte. Die neuen Entwürfe beinhalten nun mehrere Schutzmaßnahmen:
- Eine Grünbrücke hinter Neustrelitz
- Einen Amphibien- und Kleintierdurchlass
- Eine Fließgewässerunterführung
- Gefahrlose Überquerungsmöglichkeiten für Fahrradfahrer an mehreren Stellen
Falk Jagszent vom Aktionsbündnis zeigte sich positiv überrascht: „Sicher gibt es noch Verbesserungspotenzial, aber die Richtung stimmt.“ Die Anpassungen berücksichtigen sowohl die Bedürfnisse der Autofahrer als auch die Anliegen der Anwohner und des Naturschutzes.
Details zu Ortsumfahrungen und Zufahrten
Bei der Diskussion im Gemeindezentrum standen vor allem praktische Fragen im Vordergrund. Daniela Kunze betonte, dass für Usadel nur zwei Optionen bestehen: die geplante Ortsumfahrung oder die Beibehaltung der aktuellen Ortsdurchfahrt. Letztere sei aufgrund der Nähe der Häuser zur Straße und des starken LKW-Verkehrs eine Belastung, wie eine Anwohnerin aus Usadel bestätigte.
Ein wichtiger Punkt sind die Zufahrten zur B96. Diese werden vom Straßenbauamt gebaut, gehen dann aber in das Eigentum der jeweiligen Gemeinde über. Für Unterhalt, Winterdienst und Asphaltsanierung erhalten die Kommunen eine finanzielle Ablöse, um sie nicht zu überlasten.
Nächste Schritte im Planungsverfahren
Die vorgestellten Pläne stellen einen Zwischenstand dar, und nicht jedes Detail ist bereits abschließend geklärt. Die Planer sammeln weiterhin Hinweise von Anwohnern und Gemeindevertretern. Bis zum Jahresende soll ein Planfeststellungsverfahren starten, sofern das Bundesverkehrsministerium seine Zustimmung erteilt. Bürgermeister und Gemeinderäte erhalten in diesem Jahr noch die Gelegenheit, die Entwürfe zu prüfen und Feedback zu geben.
Insgesamt reagierten die meisten Anwesenden erleichtert auf die neuen, umweltfreundlicheren Pläne, die einen Kompromiss zwischen Verkehrsfluss und Naturschutz darstellen.



