E-Scooter-Sicherheit in Berlin: Expertin fordert Ausbau sicherer Radwege
Berlin: Expertin fordert sichere Radwege für E-Scooter

E-Scooter-Unfälle in Berlin nehmen zu – Expertin sieht dringenden Handlungsbedarf

In der deutschen Hauptstadt Berlin haben sich in den vergangenen Wochen mehrere schwere Unfälle mit elektrischen Tretrollern ereignet, die erneut die Diskussion um die Sicherheit dieser Fortbewegungsmittel entfacht haben. Eine führende Unfallforscherin betont nun die dringende Notwendigkeit von infrastrukturellen und bildungspolitischen Maßnahmen.

Unterschiedliche Nutzergruppen mit unterschiedlichen Risiken

Laut Kirstin Zeidler, der Leiterin der Unfallforschung im Gesamtverband der Versicherer (GDV), werden die spezifischen Gefahren von E-Scootern insbesondere von unerfahrenen Nutzern systematisch unterschätzt. „Wir unterscheiden zwischen zwei grundlegend verschiedenen Gruppen: Privatbesitzer, die ihren E-Scooter regelmäßig nutzen und daher geübter im Umgang sind, und Gelegenheitsfahrer, die sich die Roller lediglich ausleihen“, erklärt Zeidler im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Die Expertin weist darauf hin, dass vielen Nutzern nicht bewusst sei, dass es sich bei E-Scootern rechtlich um Kraftfahrzeuge handelt. Die physikalischen Eigenschaften – vergleichsweise kleine Räder bei relativ hohem Gewicht – verleihen den Fahrzeugen eine inhärente Instabilität, die beherrscht werden muss. „Dies ist kein Spielgerät, sondern ein Fahrzeug, das Können erfordert“, warnt Zeidler angesichts der jüngsten Vorfälle.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Tragischer Unfall in Neukölln unterstreicht Dringlichkeit

Die Aktualität der Debatte wird durch einen besonders tragischen Vorfall unterstrichen: Erst am vergangenen Freitagabend kam in Berlin-Neukölln eine 14-jährige E-Scooter-Fahrerin bei einem Zusammenstoß mit einem Auto ums Leben. Das Mädchen war, wie bei Jugendlichen nicht unüblich, zu zweit auf einem Scooter unterwegs gewesen – eine Praxis, die das Unfallrisiko zusätzlich erhöht.

Zeidler betont, dass E-Scooter zwar noch einen geringen Anteil am gesamten Unfallgeschehen haben, dieser Anteil jedoch mit der zunehmenden Verbreitung der Fahrzeuge deutlich und besorgniserregend steigt. „Die Zahlen bei Getöteten und Schwerverletzten in Zusammenhang mit E-Scootern haben sich spürbar nach oben entwickelt“, so die Forscherin. Als eine unmittelbare Schutzmaßnahme rät sie dringend zum Tragen eines Helms.

Infrastruktur als Schlüssel: Sichere Radwege fehlen

Die zentrale Forderung der Expertin betrifft die Verkehrsinfrastruktur. „E-Scooter-Fahrer können und sollen den Fahrradweg benutzen. Unsere Befragungen zeigen: Dort fühlen sie sich am sichersten und wohlsten“, erläutert Zeidler. Die Konsequenz sei eindeutig: Für eine sichere Mikromobilität braucht es einen gut ausgebauten Radwegenetz mit besonders sicheren Kreuzungsbereichen, da es gerade an diesen neuralgischen Punkten besonders häufig zu Kollisionen kommt.

Ein großes Problem stellt laut der Unfallforscherin das regelwidrige Verhalten vieler Scooter-Nutzer dar. Oft würden sie auf Gehwegen fahren, entweder aus Unwissenheit oder weil ein Radweg fehlt. Dabei sind E-Scooter auf Gehwegen explizit verboten; bei fehlendem Radweg ist die Straße der vorgeschriebene Fahrtraum. „Es herrscht noch viel Unwissenheit. Der E-Scooter wird leider oft fälschlicherweise als eine Art Spielzeug wahrgenommen“, kritisiert Zeidler.

Typische Unfallursachen und notwendige Prävention

Zu den typischen Unfallkonstellationen gehören das Fahren auf dem Gehweg, die Nutzung der Fahrbahn entgegen der Fahrtrichtung und – ein nicht zu vernachlässigender Faktor – der Konsum von Alkohol vor der Fahrt.

Als langfristige Lösung plädiert Kirstin Zeidler für eine grundlegende Reform der Verkehrserziehung. „Wir brauchen eine bessere Verkehrsausbildung in den Schulen, die um den Bereich Mikromobilität erweitert wird“, fordert sie. Konkret schlägt sie vor:

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration
  • Die Integration von Wissen über E-Scooter und andere Mikromobilitätsfahrzeuge in den Lehrplan.
  • Praktische Rollertrainings mit klassischen Tretrollern, um bereits in jungen Jahren die notwendige Motorik und das Gefühl für Balance zu schulen.
  • Eine Aufklärungskampagne, die klarstellt, dass es sich bei E-Scootern um Kraftfahrzeuge mit entsprechenden Rechten und Pflichten handelt.

Die jüngsten Vorfälle in Berlin zeigen, dass der Umgang mit der neuen Mobilitätsform noch nicht in der Breite der Gesellschaft verankert ist. Nur durch eine Kombination aus verbesserter Infrastruktur, konsequenter Aufklärung und früher Bildung könne die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer nachhaltig erhöht werden.