Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen – dieser Spruch trifft auf Preußen Münster nach dem Derby gegen Arminia Bielefeld voll und ganz zu. Der Noch-Zweitligist kassierte nicht nur eine bittere 2:3-Niederlage gegen den Erzrivalen, sondern erlebte auch ein blaues Wunder auf der nagelneuen Gästetribüne. Nach dem Abpfiff zeigte sich, dass die Fans der Ostwestfalen während der 90 plus sechs Minuten ganze Arbeit geleistet hatten.
Choreo mit doppeltem Boden
Die 1860 mitgereisten Anhänger hatten ihren Block nach dem Spiel in Schwarz, Weiß und Blau erstrahlen lassen. Was war passiert? Die Bielefelder hatten eine Choreo angemeldet und angeblich Pappen in ihren Vereinsfarben hochgehalten. Fünf große Kisten mit Schildern passierten die Sicherheitskontrollen. Doch die Schilder waren auf der Rückseite mit Klebefolie versehen. Stufe für Stufe brachten die Fans sie fein säuberlich an – als sichtbares Zeichen, dass sie das Stadion für sich eingenommen hatten. Eine witzige Idee, die jedoch für zusätzliche Arbeit sorgt. Nur mit viel Fleiß, Schweiß und Hochdruckreinigern lässt sich das Kunstwerk in den nächsten Tagen wieder entfernen.
Sportliche Talfahrt
Die Mannschaft von Trainer Alois Schwartz kann die Niederlage dagegen nicht mehr ausbügeln. Der letzte Funken Hoffnung auf die Rettung ist erloschen. Noch sind neun Zähler zu vergeben, doch bei fünf Punkten Rückstand auf den Relegationsrang und nur einem Sieg aus den vergangenen 17 Spielen käme der Klassenerhalt einem Fußball-Wunder gleich. Die kommenden Gegner haben allesamt Aufstiegsambitionen: zunächst in Hannover (3. Mai), dann gegen Darmstadt (10. Mai) und zum Saisonfinale beim SV Elversberg (17. Mai).
Spielverlauf
Die Partie begann perfekt für Preußen. Yassine Bouchama erzielte in der dritten Minute per Kopf die frühe Führung. Doch die Freude währte kurz. Bis zur Pause drehten Munju Momoluh (24./11.), Roberts Uldrikis (28./17.) und Kapitän Mael Corboz (31./34.) das brisante Derby, das durch ein Großaufgebot der Polizei gesichert wurde. Pech für die Hausherren: Innenverteidiger Jannis Heuer traf in der 26. Minute die Latte, Stürmer Imad Rondic im Nachschuss nur den Pfosten. Schwartz zeigte sich nach Spielende angeknockt: „Wir fangen uns zu einfach die Gegentore, alle drei nach Standardsituationen. In der Offensive sind wir zu harmlos. So reicht es nicht.“ Rondic erzielte in der 86. Minute per Kopf den Anschlusstreffer zum 2:3, doch zu mehr reichte es nicht.
Frust bei den Fans
Die Fans der Schwarz-Weiß-Grünen hatten bereits morgens einen Marsch mit über 1000 Beteiligten organisiert – als Zeichen der Unterstützung. Nach dem Abpfiff schlug ihre Stimmung ins Gegenteil um, sie wandten sich demonstrativ von ihren Verlierern ab. Verständlich nach diesem erneuten Trauerspiel. Preußen Münster, Bundesliga-Gründungsmitglied, verschwindet nach nur zwei Jahren im Unterhaus wieder in der Bedeutungslosigkeit der 3. Liga. Der Sargnagel sitzt tief – und ausgerechnet Erzrivale Arminia hat ihn fast bis zum Anschlag reingehämmert.



