Im Rostocker Bahnhofsviertel eskalieren die Spannungen zwischen Anwohnern und der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG). Seit zwei Jahren werden täglich etwa 107 tonnenschwere Busse über das historische Kopfsteinpflaster geleitet, was zu enormen Lärm- und Vibrationsbelastungen führt. Die Bewohner fordern eine sofortige Änderung der Umleitung, doch die Politik vertagt die Entscheidung auf Juni.
Hintergrund der Umleitung
Grund für die Busumleitung ist die Baustelle in der Herweghstraße, die sich bis mindestens 2027 verzögert. Im Anschluss sind zudem Arbeiten in der Blücherstraße geplant. Die Buslinien 22 und 23 werden seitdem durch das Bahnhofsviertel umgeleitet, was zu erheblichen Schäden an der Bausubstanz führt. Der Ortsbeirat Stadtmitte unter Hannes Möller (Linke) brachte einen Dringlichkeitsantrag in die Bürgerschaft ein, um die Situation zu entschärfen.
Auswirkungen auf Gebäude und Anwohner
Die Erschütterungen durch die Busse lassen historische Fassaden reißen und Fundamente beschädigen. „Kopfsteinpflasterstraßen werden zerfahren, historische Fassaden und Fundamente beginnen zu reißen“, so Möller. Auch die Denkmalbehörde und das Tiefbauamt zeigen sich besorgt. Das Viertel sei für eine solche Belastung nicht ausgelegt.
Ein Vorschlag der RSAG, die Linie 22 über die Rosa-Luxemburg-Straße zu führen, stößt auf Kritik. Die Anwohner fordern stattdessen eine Umleitung auf asphaltierte Straßen, um die Belastung zu reduzieren. „Das sind wir den Gebäuden, dem Stadtbild und den Anwohnern schuldig“, betont Möller.
Entscheidung vertagt
Die Bürgerschaft vertagte den Antrag auf Juni, da die Stadtverwaltung Zeit benötigt, um Alternativen zu prüfen. Senatorin Ute Fischer-Gäde (Grüne) sicherte zu, die Debatte ernst zu nehmen. Dabei soll auch der Anschluss des Hauptbahnhofs und der Schule berücksichtigt werden.
Bis dahin müssen die Anwohner weiterhin mit Lärm und Vibrationen leben. Die Hoffnung ruht auf einer schnellen Lösung, die das historische Viertel entlastet.



