Berliner Nahverkehr: BVG investiert massiv in Sicherheit mit KI-Technologie
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben im vergangenen Jahr einen deutlichen Fokus auf die Sicherheit von Fahrgästen und Beschäftigten gelegt. Mit einem Investitionsvolumen von rund 105 Millionen Euro wurden umfangreiche Maßnahmen umgesetzt, die bereits erste positive Ergebnisse zeigen.
KI-gestützte Videodetektion an immer mehr Bahnhöfen
Ein zentraler Baustein der Sicherheitsstrategie ist der Einsatz modernster Videotechnik. Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt am Kottbusser Tor kommt die sogenannte KI-gestützte Videodetektion mittlerweile an 13 weiteren Bahnhöfen zum Einsatz. Sieben weitere Standorte sollen im zweiten Halbjahr folgen.
Die intelligenten Kameras erkennen automatisch, wenn sich Unbefugte in nicht-öffentlichen Bereichen von Bahnhöfen aufhalten, insbesondere in Tunnel- und Gleisbereichen. Bei einer solchen Erkennung geben sie sofort ein Signal an die Sicherheits-Leitstelle der BVG, was den Schutz vor Vandalismus deutlich verbessert.
Derzeit prüft das Verkehrsunternehmen, inwiefern diese Technologie auch in öffentlichen Bereichen eingesetzt werden kann. Auch hier ist am Kottbusser Tor ein Pilotprojekt geplant. Dadurch könnten Sicherheitskräfte in kritischen Situationen schneller eingreifen – etwa bei Personen im Gleis, bei Rauch- und Brandentwicklung oder bei herrenlosem Gepäck. Die Abstimmung mit der Berliner Datenschutzbeauftragten läuft derzeit.
Mehr Personal und deutlicher Rückgang der Straftaten
Neben der technologischen Aufrüstung hat die BVG auch das Sicherheitspersonal deutlich aufgestockt. Rund 250 Sicherheitsbedienstete sind mittlerweile rund um die Uhr im Einsatz. Die täglichen Einsatzstunden haben sich auf 2.275 erhöht, nach etwa 1.900 im Vorjahr.
Diese Maßnahmen zeigen Wirkung: Die Zahl der Straftaten in Bussen und Bahnen des Berliner Nahverkehrs ging im Jahr 2025 um 16 Prozent auf rund 12.560 zurück. Darunter befanden sich etwa 4.000 Gewaltdelikte, was 120 weniger als im Vorjahr entspricht.
Besonders erfreulich ist der Rückgang bei Delikten gegenüber BVG-Beschäftigten. Das Unternehmen verzeichnete knapp 270 solcher Tatbestände im vergangenen Jahr – gut 60 weniger als 2024. Während insbesondere Beleidigungen und Bedrohungen zurückgingen, gab es allerdings eine Zunahme bei Körperverletzungen gegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Besorgniserregender Anstieg bei Sexualdelikten
Trotz der insgesamt positiven Entwicklung gibt es einen alarmierenden Trend: Bei den Fahrgästen stieg die Zahl der Sexualdelikte auf 314 – den höchsten Stand seit 2015. Auch die Zahl der Nötigungen hat sich im Verlauf der vergangenen zehn Jahre nahezu verdoppelt und lag 2025 bei 644.
Die BVG betont, dass es sich hierbei um einen gesamtgesellschaftlichen Trend handelt, der sich auch im Nahverkehr zeigt. Eine genaue Ursache dafür sei nicht bekannt.
„Die hohe Anzahl an Übergriffen gegen Frauen in unserer Gesellschaft, ob nun in den Öffis oder bei häuslicher Gewalt oder an anderen Orten, ist definitiv zu hoch“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU). „Wir müssen alles unternehmen, dass öffentliche Orte, Plätze, aber auch das Zuhause, dass Frauen hier besser geschützt werden.“
Kein Grund zur Entwarnung
BVG-Chef Henrik Falk betonte, dass sich das Unternehmen trotz der positiven Zahlen nicht ausruhen könne. „Jeder Angriff ist einer zu viel und jede Straftat ist eine zu viel.“ In einer Weltmetropole wie Berlin würden solche Delikte gleichwohl immer ein Thema sein.
Die Dimension der Herausforderung wird deutlich, wenn man die Fahrgastzahlen betrachtet: Die BVG verzeichnete im vergangenen Jahr eigenen Angaben zufolge rund 1,1 Milliarden Fahrgastfahrten. Vor diesem Hintergrund sind die Sicherheitsbemühungen des Unternehmens von besonderer Bedeutung für die Lebensqualität in der Hauptstadt.



