Legale Chemikalien verzögern Schließung des Ozonlochs um Jahre
Legale Chemikalien verzögern Ozonloch-Schließung

Legale Chemikalien bremsen Heilung der Ozonschicht deutlich

Die Erholung des schützenden Ozonschilds der Erde, der vor gefährlicher UV-Strahlung schützt, wird durch legal eingesetzte Industriechemikalien erheblich verlangsamt. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt eine internationale Forschungsstudie, die in der renommierten Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde.

Sieben Jahre Verzögerung bei der Schließung des Ozonlochs

Laut der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt Empa in der Schweiz wird es aufgrund erhöhter Emissionen etwa sieben Jahre länger dauern, bis sich das Ozonloch über der Antarktis vollständig schließt. Diese Verzögerung stellt einen Rückschlag für die Erfolge des Montreal-Protokolls von 1987 dar, das weltweit ozonschädigende Substanzen wie bestimmte FCKW verboten hat.

Die Ozonschicht in 15 bis 30 Kilometern Höhe filtert ultraviolette Strahlung und schützt so vor:

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  • Hautkrebs und anderen Gesundheitsrisiken
  • Augenschäden bei Mensch und Tier
  • Ernteausfällen in der Landwirtschaft

Industrie nutzt regulatorische Lücken systematisch aus

Das Forschungsteam wertete Messdaten mehrerer Stationen aus, darunter der Forschungsstation Jungfraujoch in den Schweizer Alpen. Die Analyse zeigt, dass die Industrie in überraschend großem und zunehmendem Ausmaß Chemikalien emittiert, die zwar Ozon abbauen, aber von den aktuellen Regulierungen ausgenommen sind.

Dazu zählen insbesondere:

  1. Nicht verbotene FCKW-Varianten
  2. Tetrachlorkohlenstoff als sogenannte Feedstock-Chemikalien

Diese Stoffe werden als Ausgangsmaterialien in industriellen Prozessen verwendet, etwa zur Herstellung von Kältemitteln oder Kunststoffen. Ursprünglich ging man davon aus, dass nur etwa 0,5 Prozent der produzierten Mengen in die Atmosphäre entweichen würden.

Messungen widerlegen bisherige Annahmen

"Diese Einschätzung stimmt aber schon länger nicht mehr", erklärt Stefan Reimann, Hauptautor der Studie und Atmosphärenforscher an der Empa. Die aktuellen Messdaten belegen stattdessen Freisetzungsraten von drei bis vier Prozent während Produktion, Transport und Weiterverarbeitung.

Reimann betont: "Die derzeit produzierten Mengen sind deutlich größer, als man vor 30 Jahren annahm." Seit dem Jahr 2000 hat die Nutzung dieser Feedstock-Chemikalien um etwa 160 Prozent zugenommen.

Doppelte Belastung für Ozonschicht und Klima

Die problematischen Chemikalien schädigen nicht nur die Ozonschicht, sondern verstärken zusätzlich den Treibhauseffekt. "Weniger Emissionen würden gleichzeitig der Ozonschicht und dem Klima helfen", so Reimann. Die Studie unterstreicht damit die dringende Notwendigkeit, regulatorische Lücken im Montreal-Protokoll zu schließen und die industriellen Prozesse stärker zu überwachen.

Bislang rechneten Experten damit, dass sich die Ozonschicht bis 2066 vollständig regenerieren würde. Diese Prognose muss nun angesichts der neuen Erkenntnisse deutlich nach hinten korrigiert werden. Die Forschungsergebnisse zeigen eindrücklich, wie legale industrielle Praktiken globale Umweltschutzbemühungen untergraben können.

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