Iran droht Golfstaaten mit Internet-Blackout durch Kabelangriff
Iran droht Golfstaaten mit Internet-Blackout

Teheran – Im Kampf um die Straße von Hormus rückt plötzlich ein neues Druckmittel der Mullahs in den Fokus: die Datenkabel im Meeresboden. Der Iran droht indirekt damit, die Kabel zu beschädigen und damit die Golfstaaten vom Internet abzuschneiden. Ein Szenario, das laut Experten weltweite Folgen haben könnte.

Implizite Drohung aus Teheran

Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim, die den Revolutionsgarden nahesteht, veröffentlichte eine Karte der Unterseekabel in der Meeresenge – und kommentierte: „Wenn aus irgendeinem Grund, seien es Naturkatastrophen, die Verankerung von Schiffen, Seeunfälle oder vorsätzliche Aktionen, mehrere Hauptkabel in der Straße von Hormus gleichzeitig durchtrennt würden, würde eine digitale Katastrophe die arabischen Golfstaaten erschüttern.“

Mindestens sieben große Telekommunikationskabel liegen auf dem Grund der Straße von Hormus. Sie transportieren Daten in gigantischen Mengen. Die Systeme Falcon, AAE-1, TGN-Gulf und C-Me-Wi verbinden die Golfstaaten mit großen Datenzentren im Nahen Osten, Europa und Asien. Wegen diplomatischer Spannungen mit Teheran verlaufen alle Kabel in Omans Gewässern – und nicht in denen des Irans.

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Wer wäre betroffen?

Unter einem Blackout würde laut Tasnim zwar auch der Iran leiden, aber das Land sei weniger abhängig von den Kabeln und deshalb auch „viel weniger verletzlich“. Laut „Iran International“, einem oppositionellen Fernsehsender, könnten Angriffe auf die Unterseekabel eine mögliche neue Eskalationsstufe einleiten. Offiziell schweigen iranische Beamte zu dem Bericht der Agentur. Doch dass er als implizite Drohung zu verstehen ist, gilt als wahrscheinlich.

15 Prozent des Welt-Datenverkehrs durch Hormus

Analysten vom Stimson Center (einer gemeinnützigen, überparteilichen US-Denkfabrik) kommen nach Auswertung von Daten und Berichten zu dem Schluss, dass es für den Iran „keine gewagte Hypothese“ sei, Unterseekabel als „feindliche technologische Infrastruktur“ einzustufen. Klar ist: Die Kabel am Meeresboden sind verwundbar – und in der Straße von Hormus ist die Lage besonders heikel. Denn dort verläuft mehr als 15 Prozent des weltweiten Datenverkehrs. Heißt: Für die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Bahrain, Kuwait, Saudi-Arabien und den Irak sind sie digitaler Sauerstoff.

Ein Ausfall hätte gravierende wirtschaftliche Folgen. Täglich wären Millionen Bank- und Finanzmarkttransaktionen betroffen. Auch Rechenzentren für künstliche Intelligenz in den Emiraten und das globale Finanzzentrum in Dubai wären in Schwierigkeiten. Selbst in Afrika, Asien und Europa wären Probleme spürbar. UND: Beschädigte Kabel zu reparieren, wäre kompliziert. Reparaturschiffe bräuchten eine staatliche Genehmigung, um in das Störungsgebiet einzudringen – und wären einer feindlichen Umgebung und womöglich auch Minen ausgesetzt.

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