Pilotprojekt in Vorpommern: Maroder Radweg wird zur Teststrecke für nachhaltige Bauweisen
Maroder Radweg wird zur Teststrecke für nachhaltige Bauweisen

Innovatives Pilotprojekt: Maroder Radweg wird zur Teststrecke für ganz Mecklenburg-Vorpommern

In Vorpommern startet das Straßenbauamt Neustrelitz ein wegweisendes Pilotprojekt, das die Zukunft der Radwegesanierung im gesamten Bundesland prägen könnte. An der Landesstraße 35 südlich von Jarmen wird ein seit Wochen gesperrter, maroder Radwegabschnitt zur Versuchsstrecke für verschiedene Bauformen umfunktioniert.

Zwei Sanierungsmethoden im direkten Vergleich

Für das Jahr 2026 ist entlang der L35 ein ambitioniertes Vorhaben geplant: Auf dem etwa 6,5 Kilometer langen, aktuell gesperrten Abschnitt zwischen Völschow und Groß Below sollen zwei unterschiedliche Sanierungsmethoden angewendet und miteinander verglichen werden. Ein Teil des Radweges wird dabei klassisch erneuert, während ein anderer Abschnitt in einer innovativen, ungebundenen Bauweise hergestellt wird.

André Horn vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr in Rostock erläutert: „Wir testen spezielle Mineralgemische, die eine belastbare und zugleich vergleichsweise wurzelfreundliche Oberfläche ermöglichen. Diese sogenannte ungebundene Bauweise kommt ohne traditionelle Bindemittel wie Asphalt oder Beton aus.“

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Naturschutzfachliche Herausforderungen als Auslöser

Die Notwendigkeit für innovative Lösungen ergibt sich aus besonderen naturschutzfachlichen Gegebenheiten. Entlang des Radweges an der L35 wurden vor Jahren Hunderte neuer Bäume gepflanzt – allein in diesem Bereich etwa 600 Exemplare, teilweise unmittelbar neben dem Radweg. Deren Wurzelsysteme haben mittlerweile zu erheblichen Schäden geführt, die eine herkömmliche Instandsetzung unmöglich machen.

„Unter diesen Voraussetzungen ließ sich eine klassische Bauweise nicht genehmigungsfähig umsetzen“, erklärt Horn die Situation. Die Wurzelaufbrüche im Asphalt stellen nicht nur ein bauliches Ärgernis dar, sondern bergen auch erhebliche Sicherheitsrisiken für Radfahrer.

Fünfjähriges Monitoring soll belastbare Erkenntnisse liefern

Das Straßenbauamt plant ein umfangreiches Monitoring über fünf Jahre, um fundierte Erkenntnisse zu gewinnen. Untersucht werden sollen:

  • Die Dauerhaftigkeit der verschiedenen Bauweisen
  • Der Unterhaltungsaufwand im laufenden Betrieb
  • Die Alltagstauglichkeit, insbesondere im Winterdienst
  • Die langfristige Wurzelfreundlichkeit der Oberflächen

„Ziel ist es, künftig Sperrungen möglichst vermeiden zu können und nachhaltige Lösungen für ähnliche Problemstellen in ganz Mecklenburg-Vorpommern zu entwickeln“, betont der Behördensprecher.

Finanzielle Rahmenbedingungen und zeitliche Perspektive

Für das Pilotprojekt stehen aktuell Haushaltsmittel in Höhe von rund 350.000 Euro zur Verfügung. André Horn stellt jedoch klar: „Damit kann leider noch nicht der gesamte gesperrte Abschnitt saniert werden.“ Die vollständige Instandsetzung des Radweges wird daher voraussichtlich über das Jahr 2026 hinaus andauern.

Der insgesamt etwa 15 Kilometer lange Radweg zwischen Peene- und Tollensetal gilt baulich als Problemfall. Große Teile sind deutlich schmaler als heutige Standards und befinden sich in einem schlechten Zustand. Das Pilotprojekt könnte daher wegweisend für die Sanierung zahlreicher ähnlicher Strecken im norddeutschen Bundesland werden.

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