Pilotprojekt in Vorpommern: Maroder Radweg wird zur Teststrecke für neue Bauweisen
Maroder Radweg wird zur Teststrecke für neue Bauweisen

Innovatives Pilotprojekt: Gesperrter Radweg wird zur Teststrecke für neue Bauweisen

In Vorpommern startet das Straßenbauamt Neustrelitz ein wegweisendes Pilotprojekt, das die Zukunft der Radwegesanierung in Mecklenburg-Vorpommern prägen könnte. An der Landesstraße 35 südlich von Jarmen wird ein seit Wochen für Fahrzeuge gesperrter Radwegabschnitt zur Teststrecke für innovative Bauverfahren umfunktioniert.

Die Ausgangslage: Ein maroder Radweg mit Sicherheitsrisiken

Der etwa 15 Kilometer lange Radweg zwischen Peene- und Tollensetal gilt seit langem als bauliches Ärgernis. Besonders die rund 6,5 Kilometer zwischen Völschow und Groß Below befinden sich in einem so desolaten Zustand, dass das Straßenbauamt Neustrelitz aus Sicherheitsgründen eine Sperrung verfügen musste. Wurzelaufbrüche haben den Asphalt schwer beschädigt, was eine erhebliche Gefahr für Radfahrer darstellt.

Die Probleme sind vielschichtig: Der Radweg ist deutlich schmaler als heutige Standards vorsehen und wurde einst von umfangreichen Baumpflanzungen flankiert. Allein entlang der L35 wurden etwa 600 Bäume gepflanzt, teils unmittelbar neben dem Radweg. Dieser Bestandsschutz erschwert nun konventionelle Sanierungsmaßnahmen erheblich.

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Naturschutz versus Verkehrssicherheit

André Horn vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr in Rostock erläutert das Dilemma: „Vor einem Eingriff müssten Wurzelsysteme detailliert begutachtet werden. Unter diesen Voraussetzungen ließ sich eine klassische Bauweise nicht genehmigungsfähig umsetzen.“ Diese Situation ist kein Einzelfall, sondern spiegelt ein landesweites Problem wider, bei dem finanzielle und naturschutzfachliche Grenzen zusammenkommen.

Die innovative Lösung: Ungebundene Bauweise im Test

Das Straßenbauamt suchte daher nach alternativen Lösungen und stieß auf sogenannte ungebundene Bauweisen. Diese verzichten auf traditionelle Bindemittel wie Asphalt oder Beton und nutzen stattdessen spezielle Mineralgemische. Materialien wie „Hansegrand“ – benannt nach einer Anbieterfirma – sollen eine belastbare, aber wurzelfreundliche Oberfläche ermöglichen.

Das Pilotprojekt sieht vor, den gesperrten Abschnitt südlich von Völschow in zwei unterschiedlichen Bauweisen zu sanieren: Ein Teil wird klassisch erneuert, der andere in ungebundener Bauweise ausgeführt. „Ziel ist es, über ein anschließendes fünfjähriges Monitoring belastbare Erkenntnisse zur Dauerhaftigkeit, zum Unterhaltungsaufwand und zur Alltagstauglichkeit – etwa im Winterdienst – zu gewinnen“, erklärt André Horn.

Finanzielle Herausforderungen und Perspektiven

Für das Pilotprojekt sind im aktuellen Haushalt rund 350.000 Euro eingeplant. Diese Summe reicht allerdings nicht aus, um den gesamten gesperrten Abschnitt zu sanieren. Die Priorität liegt daher auf der Erprobung der neuen Bauweisen, um langfristig kosteneffiziente und nachhaltige Lösungen für ähnliche Problemstellen im ganzen Land zu entwickeln.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen künftig helfen, Radwegesperrungen zu vermeiden und gleichzeitig den Naturschutz zu wahren. Damit könnte dieses Pilotprojekt an der L35 nicht nur lokale Probleme lösen, sondern als Blaupause für die Sanierung von Radwegen entlang von Bundes- und Landesstraßen in ganz Mecklenburg-Vorpommern dienen.

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