Am Westufer des Starnberger Sees, einem beliebten Ausflugsziel für Münchner, sind drei Badestege plötzlich gesperrt und ein vierter komplett abgebaut worden. Schuld daran ist die Stadt München, die das Areal besitzt. Die Sperrung erfolgte ausgerechnet zum Saisonstart und sorgt für Unmut bei Kioskbetreibern, Anwohnern und Vereinen.
Steg 1: Kioskbetreiber fassungslos
Felix Schmitz, Co-Betreiber des Strandkiosks "Steg 1" in Possenhofen, traute seinen Augen kaum, als er am Vortag des 1. Mai seinen Steg mit einem Bauzaun abgesperrt vorfand. "Ich dachte, spinnen die?", sagt er. Die Sperrung erfolgte ohne Vorankündigung. Der Kiosk liegt im Bade- und Erholungsgelände "Paradies" unterhalb des ehemaligen Sisi-Schlosses Possenhofen. Er bietet Bänke, Liegestühle und Sonnenschirme direkt am Kieselstrand, mit Blick auf den See und die Alpen. Der Steg selbst ist eine beliebte Aussichtsplattform, auf der Gäste bis zum Sonnenuntergang sitzen.
Weitere Stege betroffen
Auch die südlich gelegenen Stege 2 und 3 sind gesperrt, Steg 4 wurde sogar abgebaut. Franziska Schneider, eine Anwohnerin, bezeichnet die Aktion als "Frechheit und Schikane hoch fünf". Sie kritisiert, dass die Stadt die Mängel bereits im Herbst hätte beheben können, damit die Stege zum Frühling wieder nutzbar sind.
Stadt München: Stege sind morsch
Das Baureferat der Stadt München teilt auf Nachfrage mit, dass bei einer Grundstückspflege festgestellt wurde, dass Steg 4 so morsch war, dass er abgebaut werden musste. Ein Sachverständiger habe zudem bestätigt, dass die anderen Stege "nicht mehr gefahrlos betreten" werden können. Sie bleiben daher aus Verkehrssicherungsgründen gesperrt. Wie oft die Stege in den letzten fünf Jahren überprüft wurden, beantwortet das Baureferat nicht. Allerdings gibt es am 7. Mai bekannt, dass die Stege 1 bis 3 "zeitnah" abgebaut und möglichst schnell ersetzt werden sollen – vorbehaltlich der Haushaltsmittel. Einer der neuen Stege soll barrierefrei werden. Für die laufende Badesaison können die Stege jedoch nicht genutzt werden.
Kioskbetreiber und Vereine protestieren
Kioskbetreiber Schmitz kritisiert das Zeitmanagement der Stadt: "Wir haben zwei Jahre auf eine neue Treppe gewartet, und kaum ist sie fertig, wird der ganze Steg gesperrt." Er beklagt, dass der Kiosk ohne Steg seinen Reiz verliere. Burkhardt Schütz, Vorsitzender des Kneipp-Vereins Starnberg, dessen Mitglieder den Steg zum Wassertreten und Schwimmen nutzen, zeigt sich ebenfalls empört. Auf Facebook schrieb er: "Jahrelang verrotten die Stege, und wenn der Sommer kommt, erfolgt eine Sperrung." Er kündigt Widerstand an, falls alle Stege abgerissen werden.
Hintergrund: Warum gehört München das Gelände?
Das "Paradies" am Starnberger See gehört der Stadt München, die das Erholungsareal in den 1960er Jahren baute, um Münchnern einen kostenfreien Seezugang zu ermöglichen. Das Gelände war zuvor Teil des Schlossparks von Schloss Possenhofen, der nach dem Zweiten Weltkrieg in den Besitz des Freistaats Bayern und später privater Eigentümer gelangte. München kaufte einen Großteil des Parks und errichtete 1962 das 146 Hektar große Badegelände mit 1,4 Kilometer Strand, Liegewiesen und Badestegen. Der Eintritt ist kostenlos, und es stehen 400 kostenfreie Parkplätze zur Verfügung.



