Das Oktoberfest 2026 sorgt bereits im Vorfeld für Schlagzeilen. Der Münchner Stadtrat hat weitreichende Änderungen beschlossen, die von neuen Sicherheitsauflagen nach einer Massenpanik im Vorjahr bis hin zu einem erbitterten Streit um die Vergabe der großen Festzelte reichen. Auch die Oide Wiesn, die in den letzten Jahren an Besucherzahlen verloren hat, soll mit einem neuen Konzept wiederbelebt werden.
Streit um die Zeltvergabe
Ein zentraler Punkt der Diskussionen ist die Vergabe der großen Festzelte. Der Wirt der Münchner Stubn, Alexander Egger, hat einen Nachprüfungsantrag gegen die Vergabepraxis der Stadt eingereicht. Er bemängelt das Punktesystem, das seiner Meinung nach ungerecht ist, und fordert eine Vergabe nach Europäischem Recht. Egger betreibt mit seiner Frau Katrin Wickenhäuser-Egger das kleine Zelt Münchner Stubn, strebt aber eines der großen Zelte wie das Paulaner Festzelt oder die Bräurosl an. Das Paulaner Festzelt wird in diesem Jahr an das Ehepaar Lorenz und Christine Stiftl vergeben, die zuvor die Schützenlisl auf der Oidn Wiesn betrieben haben. Die Bräurosl bleibt bei Peter Reichert. Eggers Anwälte haben angekündigt, den Rechtsweg bis zur letzten Instanz zu beschreiten, sodass alle Beschlüsse für die kommende Wiesn unter Vorbehalt stehen.
Neues Wirte-Trio für die Schützenlisl
Durch den Wechsel der Stiftls zum Paulaner Festzelt wird die Schützenlisl auf der Oidn Wiesn von einem neuen Trio übernommen: Michael Bietsch, Florian Fendt und Manfred Kneifel. Sie wollen das Zelt und das Konzept ihres Vorgängers fortführen, jedoch mit einer wichtigen Änderung: Statt Augustiner wird in der Schützenlisl künftig Hacker-Pschorr ausgeschenkt. Dies bestätigte die AZ bereits in früheren Berichten.
Neue Sicherheitsregeln nach Massenpanik
Ein weiterer wichtiger Tagesordnungspunkt im Wirtschaftsausschuss war das Sicherheitskonzept. Am 27. September 2025 hatte sich während des Reservierungswechsels auf der Höhe von Augustiner- und Hackerzelt sowie Schottenhamel und Bräurosl eine große Menschenmenge gebildet. Die Festleitung reagierte mit Lautsprecherdurchsagen, die zur Räumung des Geländes aufforderten, was bei vielen Besuchern Panik auslöste. Die Betreiber der Zelte und Buden waren größtenteils nicht informiert. Nach etwa einer Stunde hatte sich die Lage beruhigt. Zur Vermeidung solcher Vorfälle wird es 2026 gezieltes Crowdspotting geben: Eigenes Personal soll die Menschenmengen permanent überwachen und bei Bedarf frühzeitig eingreifen. Zudem wird das Beobachtungsmanagement im Servicezentrum optimiert, und die Betreiber von Fahrgeschäften, Buden und Zelten werden fester in die Prozesse eingebunden.
Lockerung der Anwesenheitspflicht
Eine Änderung der Betriebsvorschriften betrifft Paragraf 26, der die allgemeine Betriebs- und Anwesenheitspflicht regelt. Um die Betreiber zu entlasten, hat das RAW die Anwesenheitspflicht gelockert: Sie dürfen ihre Zelte, Fahrgeschäfte oder Buden außerhalb der Anlieferungszeit verlassen. Die Betriebspflicht zu den Öffnungszeiten besteht jedoch weiterhin, wie Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) betont.
Neues Konzept für die Oide Wiesn
Die Besucherzahlen auf der Oidn Wiesn sind seit den Corona-Jahren rückläufig. Obwohl viele Besucher vorab Online-Tickets kauften, bildeten sich lange Schlangen am Einlass, da jeder Gast – auch mit QR-Code – ein Einlassbändchen erhielt. Zur Beschleunigung wird es nun einen eigenen Eingang für Gäste mit QR-Code geben. Der Eintrittspreis bleibt bei 4 Euro, Kinder unter 14 Jahren und Personen mit Schwerbehindertenausweis haben freien Eintritt. Eine Dauerkarte wird es nicht geben, aber einen Mengenrabatt: Wer zehn Mal bezahlt, darf zwölf Mal auf die Oide Wiesn.
Formalia und Ausblick
Die Beschlüsse sollten eigentlich in der Vollversammlung am Dienstag durchgewunken werden, doch aufgrund eines formalen Fehlers in der Stadtverwaltung werden sie nun erst am 11. Mai behandelt. Im Rathaus gilt die Zustimmung jedoch als reine Formsache. Das Oktoberfest 2026 verspricht also trotz aller Kontroversen und Neuerungen ein spannendes Ereignis zu werden.



