Polens verschärfter Bußgeldkatalog: Rasen kann Führerschein kosten
Wer nach Polen fährt, sollte die neuen Verkehrsregeln genau kennen. Seit August 2025 gilt ein deutlich verschärfter Bußgeldkatalog, der hohe Geldstrafen, Führerscheinentzug und sogar strafrechtliche Konsequenzen vorsieht. Fahrlehrer Alfons Bärwald aus Liepgarten erklärt die wichtigsten Neuerungen und warnt besonders deutsche Autofahrer vor den drastischen Folgen.
Massive Strafen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen
Die neuen Regelungen sehen bei Tempoüberschreitungen deutlich höhere Sanktionen vor. Bis zu 30 km/h zu schnell kosten 93 Euro, darüber hinaus sind bereits 180 Euro fällig. Besonders kritisch wird es bei Überschreitungen von 50 km/h: Hier drohen 5000 Zloty (etwa 1170 Euro) und ein dreimonatiger Führerscheinentzug. Wer also mit 80 km/h durch eine 30er-Zone rast, zahlt nicht nur eine hohe Geldstrafe, sondern darf drei Monate lang nicht fahren.
Lebenslanges Fahrverbot und Gefängnisstrafen möglich
Die polnischen Behörden gehen konsequent gegen Raser vor. Wer sich trotz Führerscheinentzugs ans Steuer setzt, riskiert ein lebenslanges Fahrverbot für polnisches Staatsgebiet. Noch schwerwiegender sind die Konsequenzen bei illegalen Autorennen, schweren Verkehrsverstößen oder extremen Geschwindigkeitsüberschreitungen. Wenn dabei andere Personen gefährdet werden, können Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren verhängt werden. Bei Unfällen mit Todesopfern sind sogar Gefängnisstrafen bis zu zehn Jahren möglich.
Deutsche Autofahrer besonders betroffen
Die verschärften Regelungen gelten unabhängig von der Staatsangehörigkeit. Deutsche Autofahrer müssen mit denselben Strafen rechnen wie polnische Bürger. Sämtliche Bußgelder werden auch in Deutschland vollstreckt. Bei schweren Verstößen können deutschen Autofahrern die Führerscheine entzogen werden, die dann an die deutsche Botschaft in Polen ausgehändigt werden. Zwar werden Punkte aus der polnischen Verkehrssünderdatei nicht nach Deutschland übertragen, doch bei 24 Punkten in Polen ist die Fahrerlaubnis weg.
Neue Regelungen für Unfallstellen
Um Rettungskräfte nicht zu behindern, wurde ein Fotografierverbot an Unfallstellen eingeführt. Wer trotzdem fotografiert, muss mit Geldstrafen von umgerechnet 4600 Euro rechnen und riskiert Arreststrafen von 5 bis 30 Tagen. Zusätzlich kann die Kamera eingezogen werden. Diese Maßnahme soll sicherstellen, dass Einsatzkräfte ungehindert arbeiten können.
Vorbild für Deutschland?
Fahrlehrer Alfons Bärwald sieht in den polnischen Maßnahmen ein mögliches Vorbild für Deutschland. „Die Polen machen was“, betont er. Auch in Deutschland gebe es immer noch zu viele Verkehrstote. Allein in Mecklenburg-Vorpommern habe es im ersten Halbjahr 2025 bereits 46 Verkehrstote gegeben – sieben mehr als im Vorjahreszeitraum. Bärwald regt härtere Strafen auch in Deutschland an, um die Zahl der Unfälle und Verkehrstoten zu senken. „Denn jeder Tote ist einer zu viel“, sagt der erfahrene Fahrlehrer.
Praktische Tipps für Fahrten nach Polen
Autofahrer, die nach Polen reisen, sollten einige wichtige Punkte beachten:
- Immer die Fahrzeugzulassung mitführen, auch wenn man nicht der Halter ist
- Besonders auf Geschwindigkeitsbegrenzungen achten
- Bei Kontrollen kooperativ sein und alle erforderlichen Dokumente vorzeigen
- Unfallstellen meiden und auf keinen Fall fotografieren
- Über die aktuellen Bußgelder informiert bleiben
Die verschärften Regelungen in Polen zeigen, dass das Nachbarland entschlossen gegen Verkehrsverstöße vorgeht. Für deutsche Autofahrer bedeutet dies: Wer in Polen unterwegs ist, sollte die neuen Strafen kennen und sich entsprechend verhalten, um hohe Geldstrafen und den Verlust des Führerscheins zu vermeiden.



