Ökonom schlägt Alarm: Pendler-Inflation fast doppelt so hoch wie offizielle Rate
Während das Statistische Bundesamt für März eine Inflationsrate von 2,3 Prozent meldet, sieht die Realität für Millionen Pendler in Deutschland deutlich düsterer aus. Der Leipziger Ökonom Gunther Schnabl vom Flossbach von Storch Research Institute warnt vor einer massiven „Pendler-Inflation“, die durch die explodierenden Spritpreise getrieben wird.
Spritpreisschock belastet Familienbudgets massiv
Seit den jüngsten Ölpreisturbulenzen infolge des Iran-Kriegs und der 12-Uhr-Regel sind die Kraftstoffpreise dramatisch gestiegen. Diesel erreichte zeitweise über 2,40 Euro pro Liter, während Super E10 örtlich auf mehr als 2,22 Euro kletterte. Im Vergleich zu den Vorpreisschock-Niveaus von etwa 1,70 Euro pro Liter bedeutet dies eine enorme Mehrbelastung.
Schnabl verdeutlicht dies anhand einer Beispielrechnung für einen typischen Pendlerhaushalt:
- Zwei arbeitende Eltern mit zwei Kindern
- 25 Kilometer Arbeitsweg pro Person
- Monatliche Fahrleistung von etwa 2000 Kilometern
- Verbrauch eines Mittelklassewagens (7 Liter/100 km)
Bei diesen Annahmen ergibt sich:
- Vor dem Preisschock: 140 Liter Sprit zu 1,70 Euro/Liter = 238 Euro monatlich
- Aktuell: 140 Liter zu 2,12 Euro/Liter = 297 Euro monatlich
- Mehrkosten: 59 Euro pro Monat, etwa 700 Euro pro Jahr
Persönliche Teuerungsrate von 25 Prozent für den Arbeitsweg
Allein für den Arbeitsweg bedeutet diese Preisentwicklung eine persönliche Inflation von rund 25 Prozent – mehr als das Zehnfache der offiziellen Rate. Rechnet man diese Mehrkosten auf die gesamten Konsumausgaben eines Beispielhaushalts von 3000 Euro um, steigt die persönliche Teuerungsrate auf etwa 4 Prozent. Damit liegt die Pendler-Inflation fast doppelt so hoch wie die vom Statistischen Bundesamt gemeldete Gesamtinflation.
Besonders betroffen: Familien auf dem Land
„Viele Pendler können nicht einfach auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen oder im Homeoffice bleiben“, betont Professor Schnabl. „Der Weg zur Arbeit muss gefahren werden.“ Besonders hart trifft es Familien in ländlichen Regionen oder im Umland großer Städte, die nicht nur zur Arbeit pendeln, sondern auch Kinder zur Schule oder zu Sportaktivitäten in die nächste Stadt bringen müssen.
Der Ökonom sieht dringenden Handlungsbedarf: „Abhilfe verschafft nur ein verlässliches Kriegsende.“ Als konkrete Maßnahme fordert er: „Die Bundesregierung sollte jetzt die Mineralölsteuer dauerhaft senken. Dann wird der nächste Ölpreisschock nicht so schmerzlich sein.“
Die aktuelle Situation zeigt deutlich, wie unterschiedlich sich Inflation auf verschiedene Bevölkerungsgruppen auswirken kann. Während die offizielle Statistik einen moderaten Anstieg verzeichnet, erleben Pendlerhaushalte – insbesondere auf dem Land – eine deutlich spürbarere finanzielle Belastung durch die explodierenden Mobilitätskosten.



