Sicherheitskampagne in Münchner Bahnen: Videos sollen Fahrgäste aufklären
Besonders in den dunklen Stunden fühlen sich viele Fahrgäste im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) unsicher. Eine neue Informationskampagne mit dem Titel "Sicher unterwegs" soll dieses Gefühl der Unsicherheit nun gezielt angehen. Allerdings gibt es bereits bei der Umsetzung der Maßnahmen Kritik von verschiedenen Seiten.
Gemeinsame Initiative von Bahn, MVG und Polizei
Die Verantwortlichen der Deutschen Bahn, der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und der Polizei haben die Kampagne gemeinsam vorgestellt. Mit speziellen Videos in U- und S-Bahnen sollen Fahrgäste in München praktische Tipps erhalten, wie sie sich in Notfällen und Bedrohungssituationen im Nahverkehr verhalten können. "Wir wollen aufklären, welche Schutzmechanismen und Hilfestellen es gibt", erklärten die Vertreter der beteiligten Institutionen. Zudem betonten sie, dass Zivilcourage ein entscheidender Faktor für die Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr sei.
Zur Unterstützung der Sicherheitsmaßnahmen sind an den Bahnhöfen und in den Zügen insgesamt 15.000 Kameras installiert, die sowohl zur Aufklärung von Straftaten als auch zur Prävention dienen. Am Gleis stehen Notrufsäulen bereit, und die Polizei ist in München laut Polizeipräsident Thomas Hampel "in dringenden Fällen im Schnitt nach vier Minuten vor Ort". Statistisch gesehen seien U- und S-Bahnen nicht unsicherer als andere Orte in der Stadt, wie die Kriminalstatistik zeige.
Zunehmende Respektlosigkeit und Gewaltbereitschaft
MVG-Chef Ingo Wortmann wies jedoch auf ein wachsendes Problem hin: "Es gibt eine zunehmende Respektlosigkeit und Gewaltbereitschaft in unseren Verkehrsmitteln". Dies trägt maßgeblich zum Unsicherheitsgefühl bei, insbesondere bei bestimmten Personengruppen. Eine Studie des Kreisjugendrings München-Stadt (KJR) zur Mobilität von 14- bis 27-Jährigen aus dem Jahr 2025 ergab, dass sich nur 26 Prozent der jungen Frauen sehr oder eher sicher fühlen, wenn sie nachts an Haltestellen warten. Alarmierend ist zudem, dass 28 Prozent der Befragten bereits einmal im ÖPNV sexuell bedrängt wurden.
Kritik an der Umsetzung der Video-Kampagne
Theresa Baum, Referentin für Junge Politik beim KJR, äußerte Kritik an der aktuellen Umsetzung der Video-Kampagne. Ihrer Meinung nach fehlt eine klare Ansprache der Betroffenen in den Videos. "Darin werden nur die Instrumente benannt, nicht, wer sie wann benutzen darf", monierte Baum. Sie wünscht sich, dass ähnlich wie auf den Internetseiten der Partner auch in den Videos konkrete Erklärungen zu den verfügbaren Hilfsmitteln gegeben werden. Diese Forderung bezieht sich insbesondere auf die nun anlaufende Video-Kampagne, die ihrer Ansicht nach noch optimiert werden könnte.
Die Kampagne "Sicher unterwegs" ist ein wichtiger Schritt, um das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu stärken, doch die Diskussion zeigt, dass bei der praktischen Umsetzung noch Verbesserungspotenzial besteht. Die beteiligten Organisationen müssen nun abwägen, wie sie die Kritikpunkte aufgreifen und die Maßnahmen weiter verfeinern können, um alle Fahrgäste effektiv zu schützen und zu informieren.



