Hohe Spritkosten zügeln deutschen Gasfuß
Die aktuellen Benzin- und Dieselpreise wirken wie ein natürlicher Tempomat auf Deutschlands Straßen. Immer mehr Autofahrer reduzieren freiwillig ihr Tempo, um Kraftstoff zu sparen. Dieser Trend zeigt sich besonders deutlich auf den Autobahnen, wo viele Fahrer mittlerweile konstant mit 110 bis 120 km/h unterwegs sind.
Polizei bestätigt subjektiven Eindruck
Erster Hauptkommissar Patrick Martin von der Landespolizeidirektion Thüringen beobachtet diese Entwicklung täglich auf seinem 60-Kilometer-Arbeitsweg. „Die Raser sind weniger geworden“, stellt er fest. „Die meisten Autofahrer haben sich auf eine Geschwindigkeit von 110 bis 120 km/h eingependelt.“ Besonders Berufspendler würden seit dem Preisanstieg deutlich defensiver fahren.
Eine Ausnahme bilden laut Martin Firmenfahrzeuge: „Das sind Leute, denen der Chef den Sprit bezahlt. Da ist keine Veränderung spürbar.“
Physikalischer Zusammenhang: Tempo kostet Sprit
Der Grund für die veränderte Fahrweise liegt in der Physik. Während ein Auto bei 120 km/h durchschnittlich 5 bis 7 Liter Kraftstoff verbraucht, steigt der Verbrauch bei 160 km/h bereits auf etwa 10 Liter an. Bei manchen Fahrzeugmodellen sind sogar Mehrverbräuche von über 50 Prozent üblich, wenn das Gaspedal durchgedrückt wird.
Radarfallen blitzen deutlich seltener
Ein positiver Nebeneffekt der defensiven Fahrweise zeigt sich bei den Geschwindigkeitskontrollen. Im Kreis Herford in Nordrhein-Westfalen registrierte die Verkehrsüberwachung im vergangenen Monat nur noch 3.580 Tempoverstöße. Zum Vergleich: Im März 2025 waren es noch 5.139 Geschwindigkeitsverstöße – ein Rückgang um etwa ein Drittel.
Selbst im Stadtverkehr hat sich die Situation deutlich entspannt. Hier ging die Zahl der geblitzten Autofahrer um über 60 Prozent zurück. Kreis-Sprecher Patrick Albrecht spekuliert über die Ursachen: „Der Iran-Krieg und die damit verbundenen hohen Spritpreise könnten Faktoren sein, die da mit reinspielen. Sicher sagen lässt sich das aber nicht.“
Bundesweite Zahlen noch nicht verfügbar
Konkrete statistische Daten für die gesamten deutschen Autobahnen liegen zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht vor. Die beobachteten regionalen Trends deuten jedoch auf eine deutliche Verhaltensänderung der Autofahrer hin, die direkt mit den gestiegenen Kraftstoffkosten zusammenhängt.



