Spritpreise auf Rekordniveau: Experten sehen keine schnelle Entspannung
Der Blick auf die Zapfsäule verheißt nichts Gutes für Autofahrer in Deutschland. Super E10 und Diesel kosten derzeit meist um die zwei Euro pro Liter oder sogar mehr. Ein Ende dieser Spritpreis-Rally ist vorerst nicht in Sicht, wie Experten nun warnen.
Krieg im Nahen Osten als Haupttreiber
Der anhaltende Iran-Krieg wirkt sich direkt auf die Preise an deutschen Tankstellen aus. Das Mullah-Regime kontrolliert die strategisch extrem wichtige Straße von Hormus, eine der zentralen Ölrouten der Welt. Rund 20 Prozent des global gehandelten Öls werden durch diese Meerenge transportiert. Schon die bloße Angst vor Angriffen oder Blockaden treibt die Preise auf den Weltmärkten nach oben.
Die Ökonomin Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln sieht deshalb wenig Hoffnung auf schnelle Entspannung. "Die Lage ist derzeit extrem schwer vorherzusagen", erklärt sie. "Die Befürchtungen sind jetzt natürlich noch mal anders als letzte Woche, weil man sieht, dass der Konflikt wahrscheinlich doch eher länger andauert."
Ölpreise könnten auf 200 Dollar steigen
Der Preis für Brent-Rohöl hat bereits kräftig angezogen. Erstmals seit dem Beginn des Ukraine-Krieges 2022 kletterte er wieder über 100 Dollar, zeitweise sogar auf über 120 Dollar pro Barrel. Zum Vergleich: In den vergangenen Jahren pendelte sich der Markt meist in einer Spanne zwischen 60 und 80 Dollar ein.
Sultan hält es inzwischen für realistisch, dass die Ölpreise auf bis zu 200 US-Dollar pro Barrel steigen könnten. "Die Konfliktsituation hat sich verschärft. Wir laufen in reale Knappheiten hinein, nicht nur in panikgetriebene Preiserhöhungen", warnt die Expertin.
Finanzexperte bestätigt düstere Prognosen
Auch Robert Halver, Finanzmarktexperte bei der Baader Bank, erwartet zunächst weiter hohe Preise. "Die Lage bleibt ernst, weil wir noch keine unmittelbare Verbesserung sehen", sagt er. Zwar laufen rund 20 Prozent des weltweiten Öltransports über die Straße von Hormus - im Umkehrschluss werden jedoch 80 Prozent über andere Routen transportiert.
Halver weist darauf hin, dass die USA inzwischen Nettoexporteur von Energie seien und ein Interesse daran hätten, mehr Öl und Gas nach Europa zu liefern. Positiv sei die Situation trotzdem nicht: "Steigende Ölpreise treiben die Inflation an und bremsen die Konjunktur."
Was bedeutet das für Autofahrer?
Für Autofahrer in Deutschland heißt das vor allem eins:
- Super E10 kostet laut ADAC aktuell rund 2 Euro pro Liter
- Diesel liegt bei etwa 2,14 Euro pro Liter
- Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht
- Die Preise könnten weiter steigen
Die Experten sind sich einig: Billiger wird der Weg zur Tankstelle in nächster Zeit wohl nicht. Die Unsicherheit an den Weltmärkten bleibt hoch, und jeder neue Zwischenfall im Nahen Osten könnte die Preise weiter nach oben treiben.



