Kostenexplosion bei Spritpreisen: Unternehmen in Vorpommern fürchten um Existenz
Die aktuellen Spritpreise von deutlich über zwei Euro pro Liter stellen Unternehmen in der Region Uecker-Randow vor massive Herausforderungen. Fahrschulen, Fuhrunternehmen, Kranken- und Pflegedienste müssen durch die Preissteigerungen an den Tankstellen erheblich tiefer in die Tasche greifen. Seitdem im Iran die USA und Israel militärisch aktiv geworden sind, schießen die Kraftstoffpreise in die Höhe.
Transportunternehmen mit existenziellen Sorgen
Stefan Nikolaus, Geschäftsführer der Transport & Logistik GmbH Ulrich Nikolaus aus Krackow, spricht von einer schwierigen Situation. Sein Unternehmen verfügt gemeinsam mit der zur Firmengruppe gehörenden Straßen- und Tiefbaugesellschaft mbH Ernst Röwer über 50 Lastkraftwagen, die jährlich rund eine Million Liter Diesel verbrauchen. „Bei einer Steigerung des Dieselpreises um zehn Cent entstehen Mehrkosten von 100.000 Euro“, erklärt Nikolaus. Nur bei einem kleinen Teil der Kunden gebe es automatische Anpassungen für Diesel-Schwankungen.
Um die Mehrkosten aufzufangen, versucht das Unternehmen, bei kommenden Projekten höhere Preise durchzusetzen. Bei bestehenden Verträgen bittet man Kunden um Nachvergütung, was jedoch nur begrenzt möglich ist. Gegenwärtig wird geprüft, ob sich das Betanken der Fahrzeuge in Polen lohnt – eine Praxis, die bereits zu Beginn des Ukraine-Krieges angewendet wurde. Allerdings ist dies mit höherem Aufwand durch Personalkosten verbunden. „Sollten diese Preise länger Bestand haben, wird das erhebliche Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis haben“, warnt der Geschäftsführer.
Penkuner Unternehmen in Notsituation
Bernd Netzel, Geschäftsführer der Penkun-Tourist GmbH, bezeichnet die derzeitige Situation als heftigen Schlag in die Magengrube und eine Katastrophe. Das Unternehmen ist vorwiegend im Schüler- und Krankentransport tätig und fährt auch für die Verkehrsgesellschaft VVG sowie für Krankenkassen. Preissteigerungen beim Kraftstoff von über 30 Prozent könne man nicht durchhalten, betont Netzel. Hinzu kommen gestiegene Kosten bei Versicherungen um 15 Prozent und bei der Fahrzeugbeschaffung.
Das Unternehmen verfügt über 34 Fahrzeuge, die nahezu täglich unterwegs sind, wodurch durch die gestiegenen Kraftstoffpreise Mehrkosten in erheblicher Größenordnung entstehen. Auch Netzel prüft, ob Transporter in Polen betankt werden können, allerdings mit dem Nachteil, dass dann die Mehrwertsteuer nicht erstattet wird und zusätzlicher Aufwand entsteht. „Das ist eine Notsituation. Der Kreis muss reagieren. Wenn er das nicht tut, müssen wir den Schülerverkehr einstellen. Sonst fahren wir in den Ruin“, macht der Penkuner deutlich. Er spricht zudem von einer großen Abzocke der Ölkonzerne.
Fahrschulen an ihrer Belastungsgrenze
René Thom, der in Pasewalk in zweiter Generation eine Fahrschule betreibt, sieht die Situation ebenfalls kritisch. „Es ist natürlich in diesem Moment keine schöne Situation, aber es hilft nichts, den Kopf in den Sand zu stecken“, sagt der Fahrlehrer. Zunächst müsse man die Preissteigerungen hinnehmen, die bereits Anfang des Jahres begannen. Statt der angekündigten drei bis fünf Cent seien es nahezu 30 Cent geworden.
Thom kritisiert, dass in Deutschland über die Steuern viel Geld verdient werde und deshalb vonseiten der Politik wenig Interesse bestehe, dem Bürger entgegenzukommen und ihn zu entlasten. „Ich schaue mir das jetzt zwei, drei oder maximal vier Wochen an und dann werde ich reagieren müssen“, stellt der Rollwitzer klar.
Frank Radant, der mit seiner Frau Gritti in Penkun eine Fahrschule betreibt, nennt die Preissteigerungen ebenfalls eine Katastrophe. „Irgendwann kommen die Leute an ihre Grenzen. Damit meine ich vor allem die jungen Leute, die einen Führerschein machen wollen“, betont der Fahrlehrer. Vom Landkreis höre man bereits, dass die Anmeldungen zur Fahrschule zurückgehen.
Sozialträger mit festen Preisen in der Zwickmühle
Michael Schulz, stellvertretender Geschäftsführer der Volkssolidarität (VS) Uecker-Randow, hat überhaupt kein Verständnis für die aktuelle Situation. Das Mineralöl werde teilweise ein halbes Jahr vorher von den Konzernen eingekauft, daher könnten die Preise nicht plötzlich um 30 Cent je Liter steigen. Er hofft auf eine Entlastung oder einen Spritpreisdeckel und schlägt vor, die im Januar eingeführte CO₂-Steuer aus Benzin und Diesel vorübergehend auszusetzen.
Die VS ist jeden Tag mit 90 Fahrzeugen im Pflegedienst, Fahrdienst, bei der Auslieferung von Essen und anderen ambulanten Pflegediensten unterwegs. Jede einzelne Einrichtung habe zusätzlich eigene Fahrzeuge. „Da kommt eine große zusätzliche Summe Treibstoffkosten auf den Sozialträger zu“, erklärt Schulz. Die höheren Benzinpreise könnten in der Pflege jedoch nicht umgelegt werden, da dort Festpreise vereinbart sind. Gleiches gelte für Fahrdienste nach Ausschreibung des Landkreises. „Da können wir einseitig nicht die Preise erhöhen“, sagt der stellvertretende VS-Geschäftsführer. Er hofft auf ein Entgegenkommen des Landkreises und befürchtet, dass auch Lieferanten und Handwerker ihre Preise aufgrund der hohen Spritkosten erhöhen werden.



