Stadtradeln in Schwerin: Drei Wochen Glanz, doch der Alltag bleibt holprig für Radfahrer
In Schwerin startet am 1. Juni die dreiwöchige Aktion Stadtradeln, die offiziell für Klimaschutz, Bewegung und Teamgeist wirbt. Doch hinter der fröhlichen Fassade lauern ernste Probleme für den Alltagsradverkehr. Madleen Kröner vom Radentscheid Schwerin macht deutlich: „Wir sind nicht gegen das Stadtradeln, aber man kann auch sagen: So einfach ist es nicht.“ Die Initiative nutzt die Kampagne bewusst als Bühne, um auf die täglichen Herausforderungen für Radfahrer in der Landeshauptstadt aufmerksam zu machen.
Image versus Realität: Kritik am Stadtradeln
Madleen Kröner kritisiert, dass während der Aktion oft ein verzerrtes Bild entsteht: „Da lassen sich drei Wochen lang Menschen auf dem Fahrrad fotografieren, die sonst nie fahren.“ Dies stehe in starkem Kontrast zur Realität vieler Alltagsradler, die mit erheblichen Defiziten konfrontiert sind. Besonders in der Innenstadt fehlen durchgängige und sichere Verbindungen. Kröner betont: „Es wird zu viel so getan, als wäre Schwerin mit seinem Fahrradstraßenprojekt schon fertig.“
Zentrale Probleme: Nord-Süd-Achse und alltägliche Konflikte
Ein zentrales Problem stellt die Nord-Süd-Achse dar. „Die einfachste Lösung wäre die Nutzung der Mecklenburgstraße“, so Kröner, doch ein Verkehrsversuch wurde abgelehnt. Alternativen sind rar: Radfahrer müssen auf enge Nebenstraßen, stark frequentierte Plätze oder das Kopfsteinpflaster rund um den Dom ausweichen. Auch andere Vorhaben aus dem Radverkehrskonzept, wie Fahrradstraßen in der Forststraße oder Bergstraße, kommen nur schleppend voran.
Hinzu kommen alltägliche Konflikte:
- Zugeparkte Radwege sind für viele Radfahrer bereits Routine.
- Kröner schildert eine Szene: „Ein Lieferfahrzeug steht mit Warnblinker auf dem Radweg, die Polizei fährt vorbei. Es wird überall wild geparkt, und es interessiert niemanden.“
Initiative #Suche sicheren Radweg nutzt Stadtkampagne
Der Radentscheid Schwerin hat erneut das Team #Suche sicheren Radweg innerhalb des Stadtradelns gegründet, das bereits im vergangenen Jahr das größte Team der Aktion stellte. Die Gruppe setzt auf Sichtbarkeit, etwa bei der Auftakttour am 1. Juni auf dem Marktplatz und durch begleitende Öffentlichkeitsarbeit. „Wir möchten Radfahrer sensibilisieren, damit sie ihre Erfahrungen unter anderem den Entscheidungsgremien mitteilen“, erklärt Kröner.
Die Strategie ist klar: Die Aufmerksamkeit der Kampagne soll genutzt werden, um auf die Schwachstellen im Radverkehr hinzuweisen. Für die Initiative geht es um mehr als einen Wettbewerb – es geht um die Zukunft der Mobilität in Schwerin. „Wir stellen uns die Städte zu mit Autos, das ist ineffektiv“, sagt Kröner. Fahrzeuge stünden die meiste Zeit ungenutzt am Straßenrand, während sichere Wege für Radfahrer fehlen.
Rückblick und Ausblick
Im Jahr 2025 erreichte Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern von 19 teilnehmenden Kommunen den dritten Platz. Bundesweit liegt die Landeshauptstadt in der Kategorie der Städte von 50.000 bis 99.999 Einwohnern derzeit auf Platz 30 von insgesamt 147 Kommunen. Doch Kröner mahnt: „Ein lustiger Wettbewerb reicht nicht. Wir sind noch lange nicht da, wo wir sein müssten.“ Das Stadtradeln kann aus ihrer Sicht ein Anfang sein, aber nur, wenn es nicht bei Symbolik bleibt.
Wer ab dem 1. Juni mitradeln möchte, kann sich im Internet für die Aktion anmelden und sich unter anderem für die Schweriner Gruppe #Suche sicheren Radweg eintragen. Die Initiative hofft, dass die Aktion nicht nur Kilometer sammelt, sondern auch nachhaltige Veränderungen für den Radverkehr in Schwerin anstößt.



