Thüringen plant längere Mietbindung für Sozialwohnungen mit gestaffelten Förderboni
Längere Mietbindung für Sozialwohnungen in Thüringen geplant (06.04.2026)

Thüringen erwägt deutliche Verlängerung der Mietbindung für Sozialwohnungen

In Thüringen könnte die Mietpreisbindung für Sozialwohnungen in Zukunft um mindestens zehn Jahre verlängert werden. Ein entsprechender Vorschlag von Infrastrukturminister Steffen Schütz (BSW) findet Unterstützung beim Thüringer Wohnungswirtschaftsverband, der Unternehmen mit rund 265.000 verwalteten Wohnungen vertritt. „Wir sind dafür offen“, erklärte Verbandsdirektor Frank Emrich in Erfurt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Wir wollen die Objekte ohnehin nicht verkaufen.“

Gestaffelte Förderboni für längere Bindungsfristen

Minister Schütz plant einen gestaffelten Bonus für Investoren, die bei Neubauprojekten eine Mietpreisbindung von 30 oder 35 Jahren eingehen. Konkret sieht der Entwurf einen Zuschuss von 20 Prozent vor, wenn die Mietpreisbindung um zehn Jahre erhöht wird – und von 30 Prozent bei einem Plus von 15 Jahren. Bei der Mietpreisbindung handelt es sich um eine staatlich festgelegte Begrenzung der Miete für öffentlich geförderte Wohnungen, die sich an den tatsächlichen Bewirtschaftungskosten orientiert und nicht an den marktüblichen Preisen.

Wohnungswirtschaft fordert angepasste Förderkonditionen

Frank Emrich betonte jedoch, dass bei einer längeren Mietpreisbindung auch die Förderkonditionen des Landes angepasst werden müssten. Nach seinen Angaben fallen in Thüringen pro Jahr im Durchschnitt 800 Wohnungen aus der derzeit 20-jährigen Mietpreisbindung – mehr, als neue Sozialwohnungen entstehen. Dieser Trend soll sich ändern, auch mit neuen Förderkonditionen für den sozialen Wohnungsbau, die Minister Schütz für das Frühjahr angekündigt hat.

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Akuter Mangel in Thüringer Städten

Die Zahl der Wohnungen mit langfristig günstiger Miete ist in vielen Thüringer Städten knapp bemessen. Das Infrastrukturministerium beziffert den aktuellen Bestand an Sozialwohnungen im Freistaat mit etwa 11.000 Einheiten. Dem gegenüber steht laut der Studie „Sozial-Wohn-Monitor 2026“ ein Bedarf von 20.000 Sozialwohnungen, mit erheblichen regionalen Unterschieden:

  • Vor allem in Erfurt, Weimar und Jena kann der Bedarf aktuell nicht gedeckt werden
  • Die Wohnungsknappheit betrifft insbesondere Ballungsräume und Universitätsstädte
  • Regionale Disparitäten erfordern differenzierte Lösungsansätze

Ziel: 1.000 neue Sozialwohnungen pro Jahr

Nach Einschätzung von Verbandsdirektor Emrich müssten in Thüringen pro Jahr etwa 1.000 Sozialwohnungen hinzukommen – durch Neubau, aber auch durch Umbau und Modernisierung bestehender Gebäude. Die im Verband organisierten kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen könnten davon pro Jahr etwa 800 Einheiten schaffen, den Rest müssten private Investoren beisteuern. Diese ambitionierte Zielsetzung erfordert koordinierte Anstrengungen aller Beteiligten und eine nachhaltige Finanzierungsstrategie.

Die geplante Reform des sozialen Wohnungsbaus in Thüringen zielt darauf ab, den kontinuierlichen Rückgang der Sozialwohnungen zu stoppen und langfristig bezahlbaren Wohnraum zu sichern. Durch die Kombination aus verlängerter Mietbindung und verbesserten Förderbedingungen soll ein attraktiveres Umfeld für Investitionen in den sozialen Wohnungsbau geschaffen werden.

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