München im Barrierefreiheits-Ranking: Landeshauptstadt fällt hinter bayerische Nachbarstädte zurück
München fällt im Barrierefreiheits-Ranking zurück

München im Barrierefreiheits-Vergleich: Ernüchternde Platzierung für die bayerische Landeshauptstadt

Der demografische Wandel stellt deutsche Städte vor immense Herausforderungen, insbesondere beim dringend benötigten barrierefreien Wohnraum. Eine aktuelle Untersuchung des Seniorendienstes Eli die Fee offenbart dabei überraschende regionale Unterschiede – und ein ernüchterndes Ergebnis für München.

Studie analysiert 100 größte Städte Deutschlands

Grundlage der Analyse waren 94.658 Online-Immobilieninserate für Wohnungen, die am 2. März 2026 öffentlich verfügbar waren. Erfasst wurden sowohl Miet- als auch Kaufobjekte in den 100 größten deutschen Städten. Als barrierefrei wurden dabei Wohnungen mit stufenlosem Zugang gewertet – eine essentielle Voraussetzung für immer mehr Menschen.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamts verdeutlichen die Dringlichkeit: Ende 2025 war bereits jede zweite Person in Deutschland älter als 45 Jahre, jede fünfte Person sogar älter als 66 Jahre. Nach Angaben der Bundesregierung fehlen derzeit bundesweit etwa 2,5 Millionen barrierefreie Wohnungen.

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Paderborn führt, München fällt zurück

Im bundesweiten Durchschnitt sind laut der Studie 11,7 Prozent aller untersuchten Wohnungen barrierefrei. Die Spitzenposition belegt überraschend Paderborn mit bemerkenswerten 30,1 Prozent barrierefreier Miet- und Kaufobjekte. Auch Gütersloh (27,2 Prozent) und Konstanz (25,6 Prozent) erreichen Spitzenwerte.

München als drittgrößte Stadt Deutschlands landet dagegen nur auf Rang 28. Die bayerische Landeshauptstadt kommt bei barrierefreien Mietwohnungen auf magere 10,1 Prozent, während immerhin 19,3 Prozent der Eigentumswohnungen stufenlosen Zugang bieten. Damit liegt München deutlich hinter anderen bayerischen Städten: Würzburg (21,5 Prozent) schafft es unter die Top Ten, Erlangen (11,7 Prozent) belegt Platz 19, Augsburg (16 Prozent) Platz 25 und Regensburg (15,8 Prozent) Platz 26.

Kaufobjekte deutlich barrierefreier als Mietwohnungen

Auffällig ist die deutliche Diskrepanz zwischen Miet- und Kaufsegment. In 74 von 100 analysierten Städten ist der Anteil barrierefreier Kaufobjekte höher als am Mietmarkt. Besonders extrem zeigt sich dieser Unterschied in Oberhausen: Während nur 4,9 Prozent der Mietwohnungen barrierefrei sind, gilt dies für 30,3 Prozent der Kaufobjekte – eine Differenz von 24,4 Prozentpunkten.

München taucht in diesem Negativranking auf Platz 22 auf, mit einer Differenz von 9,2 Prozentpunkten zwischen barrierefreien Miet- und Kaufwohnungen. Unter den bayerischen Städten schneiden hier nur Würzburg (Platz 11 mit 12,8 Prozent Differenz) und Regensburg (Platz 16 mit 11,2 Prozent Differenz) noch schlechter ab.

Menschenrechtliche Verpflichtungen nicht erfüllt

Seit dem 26. März 2009 ist die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland in Kraft, doch bei der Umsetzung bleibt viel zu tun. Britta Schlegel, Leiterin der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention des Deutschen Instituts für Menschenrechte, mahnt: „Deutschland muss endlich barrierefreier werden, etwa im Gesundheitswesen, beim Wohnraum oder bei Kultur- und Freizeitangeboten. Das ist nicht nur menschenrechtlich, sondern auch wirtschaftlich erforderlich.“

Die bis Sommer 2026 geplante Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) bietet zwar Chancen für Fortschritte, doch Schlegel kritisiert den aktuellen Entwurf der Bundesregierung vom Februar 2026 als unzureichend: „Sollte er so beschlossen werden, bringt das neue Gesetz in der Praxis kaum Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen.“

Besonders kritische Situation in mehreren Städten

Während München im Mittelfeld rangiert, gestaltet sich die Situation in anderen Städten noch prekärer:

  • Gelsenkirchen, Chemnitz und Zwickau teilen sich mit jeweils nur 2,8 Prozent barrierefreien Wohnungen den letzten Platz
  • Witten (3,3 Prozent), Kiel (3,6 Prozent) und Recklinghausen (4,1 Prozent) bieten ebenfalls extrem wenig barrierefreien Wohnraum

Positivbeispiele zeigen jedoch, dass Verbesserungen möglich sind. In Jena, Moers und Erlangen ist der Anteil barrierefreier Mietwohnungen sogar höher als im Kaufsegment – ein ermutigendes Signal für mehr Inklusion am Wohnungsmarkt.

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Die Studie verdeutlicht: Angesichts des demografischen Wandels und menschenrechtlicher Verpflichtungen muss der Ausbau barrierefreien Wohnraums deutlich beschleunigt werden – auch in vermeintlich wohlhabenden Metropolen wie München.